Medien : Harter Sparkurs fürs ZDF

Markus Schächter stellt Fernsehrat neues Programmschema vor

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Lange hatte man darauf gewartet, dass der im März gewählte Intendant Markus Schächter sagt, was er genau mit dem ZDF vorhat. Den gestrigen Freitag hatte er sich als Termin gesetzt. Doch erstmal hatte er vor dem ZDF- Fernsehrat Unangenehmes zu verkünden. Denn das ZDF muss sparen: 50 Millionen Euro pro Jahr. Auch beim ZDF sind die Werbeeinnahmen weggebrochen. Die 3500 Planstellen bleiben laut Schächter erhalten, doch bei den freien Mitarbeitern fallen rund 300 Jobs weg.

Aber mit Sparen allein kommt Schächter nicht weiter. Nicht nur die Werbeabteilung auch die Quotenmesser von der GFK-Fernsehforschung hatten in letzter Zeit schlechte Nachrichten für den Mainzer Sender: Das ZDF ist im September in der Zuschauergunst auf Platz vier – hinter ARD, RTL und die Dritten Programme – zurückgefallen. Das muss Schächter ändern. Er plant eine Entwicklungsredaktion für Unterhaltungsformate. Dies sei schon deshalb nötig, sagt ZDF-Sprecher Walter Kehr, weil es selbst international keine erfolgreichen Showformate gebe, die man kaufen könnte. Darüber hinaus ist ein so genannter Kreativfonds geplant. Anstatt erfolgreiche Moderatoren den Privaten abzukaufen, wie es die ARD zuletzt unter anderem mit Jörg Pilawa tat, will sich das ZDF künftig eigene Talente heranziehen.

Ansonsten war es wohl eine der weniger spannenden Sitzungen des ZDF-Fernsehrates. Denn das neue Programmschema, das Schächter den Mitgliedern am Freitag verkündete, konnten sie in den vergangenen Tagen bereits in den Zeitungen lesen. Schächters Umgestaltungspläne fürs ZDF waren den Medien zugespielt wurden. Und so ging es bei der gestrigen Sitzung wohl vor allem darum, wie das neue Programmschema zu werten sei. Eine Zeitung hatte von „Unterhaltungsoffensive“ gesprochen, denn im kommenden Jahr beginnt das „heute journal“ freitags eine Viertelstunde später. Schächter widersprach: „Das neue Schema wird das Informationsprofil des ZDF schärfen.“

Konkret heißt das: Das Nachmittagsquiz „Risiko“ fliegt raus, dafür kommen Natur- und Tierdokumentationen. Anstatt der Dienstagabendshow läuft ein Dokumentarfilm, meistens aus dem Bereich Politik. Weitere Neuerungen sind ein Krimi-Doppel am Freitag, eine Jugendsendung am Samstagmittag, Comedy nach dem „Sport-Studio“ und international produzierte Fernsehkrimis wie Henning-Mankell-Verfilmungen am Sonntag um 22 Uhr. Anfang des kommenden Jahres geht’s los.

Schächter bekräftigte noch einmal die Forderung seines Vorgängers nach einer Senderfamlie rund ums ZDF. In Zeiten des digitalen Fernsehen, in denen es noch mehr Programme geben werde, sagt Walter Kehr, sei nur so eine effiziente Verwertung von Filmen und Sendungen möglich. Barbara Nolte

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