HASE UND IGEL : Ich bin schon da!

ZDFneo: Das Zweite gründet noch einen Digital-Sender, und die Privatsender ärgern sich

Markus Ehrenberg

In der Frage, was öffentlich-rechtliche Sender veranstalten dürfen und was nicht, gerade in Bezug zu konkurrierenden Privatsendern, ist es in mancherlei Hinsicht wie beim Gleichnis zwischen dem Hasen und dem Igel. Während die einen noch über die Auslegung von Rundfunkänderungsstaatsverträgen diskutieren wollen, legen die anderen ein neues Programm auf. „Ich bin schon da!“, hat ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut am Donnerstag in Köln dann doch nicht gerufen, als der Mainzer Sender seinen neuen Digitalsender ZDFneo vorstellte, der den bisherigen Dokumentationskanal ZDFdoku ersetzt. Schwerpunkt des werbe- und nachrichtenfreien Senders sollen Comedy-Formate, Serien, Dokus und Filme sein. Das Programm startet am 1. November und richtet sich an die Zielgruppe der 25- bis 49-Jährigen.

Die gucken normalerweise bevorzugt Pro7, RTL oder Sat 1. Die Privatsender hatten vorab bereits gegen die Einrichtung eines weiteren öffentlich-rechtlichen Kanals protestiert und setzten am Donnerstag noch mal nach. Aus Sicht des VPRT bestünden ernsthafte Zweifel, ob ZDFneo mit dem im Rahmen des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages genehmigten Konzept zum „ZDF-Familienkanal“ sowie dem Auftrag des ZDF vereinbar ist, so Claus Grewenig, stellvertretender Geschäftsführer im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Die Abweichungen zwischen dem verabschiedeten Konzept und der geplanten inhaltlichen Ausrichtung von ZDFneo seien offensichtlich. „Wir sehen uns durch die aktuellen Entwicklungen in unseren Befürchtungen bestätigt.“ An die Vorsitzenden der Medienkommissionen der Parteien gerichtet, heißt es: „Wir möchten Sie bitten, ZDFneo einer genauen Prüfung zu unterziehen.“

Der Leiter des neuen Digitalkanals, Norbert Himmler, indes, erhofft sich von dem Sender Impulse für eine „strukturelle Verjüngung des ZDF“. Es werde viele gemeinsame Projekte mit dem Hauptprogramm des ZDF geben, sagte Himmler im epd-Interview. ZDFneo werde neue Sendeformen wie das Dokusoap-Format „Der Straßenchor“ ausprobieren, die, wenn sie erfolgreich seien, im Hauptprogramm zu sehen sein würden. Neben Dokumentationen werden auch amerikanische und britische Serien, europäische und US-Spielfilme sowie Comedy ausgestrahlt. Die mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnete US-Serie „30 Rock“ werde ab dem 4. November zu sehen sein. Ein Sendergesicht soll der Comedian „Knacki“ Deuser werden, der montags bis donnerstags nach 23 Uhr eine Comedy-Show präsentiert. Im „Comedy Lab“ werde Deuser in 15 Minuten auf satirische Art das Wochengeschehen kommentieren. Dazu einmal die Woche eine Sendung mit dem aus dem Internet bekannten Kreuzberger Comedian „Süper Tiger“. „Wir werden uns nicht in die Ecke drängen lassen, dass wir nur die Genres bedienen dürfen, die die Privatsender nicht haben“, sagt Himmler

Die Digitalkanäle des ZDF sind über digitalen Satellit und teilweise im digitalen Kabel zu empfangen. Über das digitale Antennenfernsehen DVB-T wird ZDFneo – wie bisher der ZDFdokukanal – ab 21 Uhr zu empfangen sein, weil dort die Frequenz mit dem Kinderkanal von ARD und ZDF geteilt wird. Neben dem ZDFdokukanal/ZDFneo gehören der ZDFinfokanal und der ZDFtheaterkanal, der zum „Kulturkanal“ umgebaut werden soll, zum Mainzer Digitalprogramm. Viel Ärger für den Hasen, den VPRT.

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