Medien : Hassliebe

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Wer über das Verhältnis von Politik und Medien nachdenkt, der kommt an den lustigen Burschen mit der 18 unter der Schuhsohle nicht vorbei. Dem Medienforum NRW war der Coup gelungen, Fritz Görgen zu einem Auftritt in Köln zu bewegen, jenen Mann, der die FDP und ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle in Sachen Kommunikationsstrategie berät und der es zu dem zweifelhaften Ruf gebracht hat, „nicht nur der Ghostwriter, sondern auch der Rasputin hinter Möllemann“ zu sein, wie es Bernd Gäbler, Leiter des Grimme-Instituts, formulierte.

Görgen präsentierte sich als kühler Intellektueller, der zuweilen den Unterton des missverstandenen Opfers anschlug. Zu der Kontroverse zwischen FDP-Vize Jürgen Möllemann und Michel Friedman vom Zentralrat der Juden erklärte er: „Dies war mit allem, was dazugehört, nicht Teil der Strategie 18, und ich habe davon dringend abgeraten.“ Zuvor war er mit den Medien scharf ins Gericht gegangen: Sie seien „schnell statt gut, kopieren statt recherchieren, parteiisch und konfliktscheu zugleich.“ Verleger gebe es nicht mehr, nur noch „Medieninhaber“, und „die Unterhaltungsfuzzis dominieren alles“. Außerdem sagte er: Die Regeln, denen sich Politiker unterziehen müssten, würden von den Medien gemacht. Freilich kritisierte Kommunikationsberater Görgen damit Zustände, die er bestens zu bedienen trachtet. „Westerwelle muss nicht mehr ständig von der 18 reden, das hat sich verselbstständigt“, freute sich der gebürtige Österreicher.

Dass die „gefährliche Liebschaft“ zwischen Politik und Medien, so das Thema des Tages, viele Facetten hat, bewies eine anschließende Diskussionsrunde. Politiker moderieren Talkshows, Journalisten heuern als Pressesprecher bei Politikern an – Tagesspiegel-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, warnte vor diesen Grenzüberschreitungen: „Wir Journalisten müssen uns klar zu unserer Rolle bekennen.“ Was zuweilen leichter gesagt ist als getan, wie Wahlkampfberater Axel Wallrabenstein mit dem Hinweis auf arbeitslose Journalisten bemerkte, die nun ihr Glück in der PR-Branche suchen (müssen).

Das Dilemma auf der anderen Seite: Ganz ohne die beklagten Inszenierungen geht es nicht, wie sonst sollen Politiker ein breites Publikum erreichen? Die geplanten Kanzlerduelle hält RTL-Anchorman Peter Kloeppel, der in der ersten Runde gemeinsam mit Peter Limbourg (N 24) ein „klassisches Interview“ mit Gerhard Schröder und Edmund Stoiber führen will, für einen „Zugewinn an Demokratie und Diskussionskultur“. Inszenierungen wollen freilich gekonnt sein: „Es gibt nur wenige härtere Alltagsstrafen, als täglich ins Theater gehen zu müssen“, sagte der Wiener Autor und Wissenschaftler Georg Franck. Thomas Gehringer

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