Medien : Hausfrauen ohne Werbepausen

Von „24“ zu „Stalingrad“: Der DVD-Verkauf wird für TV-Produzenten immer wichtiger

-

Von Wilfried Urbe Wenn im Januar die fünfte Staffel der US-Serie „24“ bei RTL 2 anläuft, freut sich nicht nur der Privatsender. Besonders die Twentieth Century Fox Home Entertainment, die die Actionserie auf DVD vertreibt, kann auf gute Geschäfte hoffen. „Wir bewegen uns in den USA jenseits der Vier-Millionen-Marke bei den verkauften fünf Staffeln von ,24‘. Deutschland macht normalerweise rund zehn Prozent des US-Marktes aus, und da übersteigen wir diese Vorgabe noch.“ „24“ sei damit eines der erfolgreichsten Produkte im TV-Segment, sagt Benjamin Bach, Produktmanager von Twentieth Century Fox Home Entertainment.

Das ist kein Einzelfall. Die Erfolgsgeschichte der DVD beruht nicht zuletzt auf beliebten TV-Serien. Die Verkaufszahlen werden in der DVD-Branche in der Regel zwar gut gehütet. Fest steht aber: TV-Serien und –Filme verkaufen sich auf DVD so gut wie nie zuvor. Das bestätigt Oliver Trettin, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes audiovisueller Medien: „Von Januar bis Oktober 2006 wurden im deutschen DVD-Handel 900 Millionen Euro umgesetzt.“ Während TV-Produktionen im Jahr 2005 einen Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz hatten, sind es 2006 bereits 20 Prozent. Rechnet man das Musikgenre dazu, zu dem Comedyreihen wie „Stromberg“ zählen, sowie auch die Sparte „Special Interest“ mit Dokumentationen, ist der Anteil noch höher. Besonders US-Serien wie „Gilmore Girls“, „Lost“ oder „Desperate Housewives“ verkaufen sich hervorragend. „Eine Staffel läuft in Deutschland gut, wenn sie sich zwischen 50 000 und 100 000 Mal verkauft“, sagt Trettin.

Vor allem hochwertig produzierte Geschichten mit komplizierten Handlungssträngen wie „Lost“ sind gefragt. „Da sind die Werbepausen im Fernsehen störend“, erklärt Trettin den Vorteil der silbernen Scheiben. Tatsächlich lief „24“ anfangs im US-Fernsehen nicht so erfolgreich. Die Einnahmen über den DVD-Verkauf aber waren gigantisch. Inzwischen sinken die Quoten hochgelobter US-Serien auch bei uns. Das Sucht-Prinzip, mit dem die Produzenten die TV-Zuschauern über fortlaufende Geschichten binden wollen, funktioniert eher bei Heimkinokonsumenten. Die Fernsehausstrahlung wirkt zusätzlich als Werbung.

Mittlerweile planen US-Produzenten die DVD-Verwertung ein. „Im TV-Geschäft“, so Benjamin Bach, „wird die Finanzierung der weiteren Produktionen zunehmend durch den DVD-Verkauf gesichert.“ Pluspunkte für die DVD seien Bonusmaterial, alternative Enden und „Making of“. In Deutschland wird ebenfalls verstärkt auf die zusätzliche Verwertung geachtet. Die WDR Mediagroup zum Beispiel bringt 90 Folgen der Krimiserie „Der Fahnder“ in den Handel. Gut laufen auch Dokumentationen, sagt Leopold Hoesch von der Produktionsfirma Broadview.TV, so zum Beispiel die DVD zur Stalingrad-Dokumentation, die mit dem Spielfilm „Stalingrad“ von Josef Vilsmeier vertrieben wurde.

Auch Klassik-DVDs sind sehr gefragt. Das Berliner Waldbühnenkonzert mit Anna Netrebko, Rolando Villazon und Placido Domingo wurde in den ersten drei Wochen nach Erscheinen der DVD 25 000 Mal vertrieben und erreichte damit Gold-Status. Interessant ist das internationale Geschäft. „Allein in Japan haben wir den Hitler-Film ,Der Untergang‘ 50 000 mal verkauft, und wir haben gerade erst mit dem Verkauf angefangen“, sagt Dirk Schürhoff von Eos Distribution.

Überhaupt: Für deutsche TV-Events, teure aufwendige Fernsehfilme, steht das DVD-Geschäft noch am Anfang. „Bis Ende 2003 hatten wir mit Ausnahme des Video- und DVD-Verkaufs unserer ersten Event-Produktion ,Der Tunnel‘ so gut wie gar keine Nachfrage“, sagt Teamworx-Geschäftsführer Jürgen Schuster, „aber mit dem Projekt ,Stauffenberg‘ startete 2004 eine große Nachfrage nach unseren Eventproduktionen“. Heute beginnen die Verhandlungen mit den Vertriebsorganisationen meist schon vor Drehbeginn, so beispielsweise aktuell für „Hindenburg“ und „Laconia“. Filme wie „Sturmflut“, „Dresden“, „Nicht alle waren Mörder“, „Tornado“ oder „Die Luftbrücke“ kämen mittlerweile direkt nach der Fernsehausstrahlung in den Handel. Lohnend seien Verkaufszahlen im „sechsstelligen Bereich“.

Der DVD-Verkauf und das Film- und Fernsehgeschäft stützen sich mittlerweile gegenseitig. Immerhin bis zu zwei Prozent des Produktionsvolumens eines Event-Movies werden von den DVD-Lizenznehmern als Minimumgarantie an die Produktionsfirmen bezahlt. Das sei noch eine „marginale Größe“, sagt Jürgen Schuster, „die Nachfrage ist jedoch in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen, in dieser Zeit haben sich die Minimumgarantien fast verdreifacht.“ Wenn man bedenkt, dass sich der DVD-Verkauf über Jahre erstrecken kann und die Produktionsfirmen an Gewinnen beteiligt werden, sind die Aussichten vielversprechend – sowohl für weitere gute TV-Produktionen als auch für DVD-Bestseller.

0 Kommentare

Neuester Kommentar