Medien : Hauspantoffeln

Silke Bender

Die Ansage klingt gut: „Die erste Giftschlange ist da“, sagt Brigitte und betritt lächelnd die kameraüberwachte Wohnung irgendwo in München. Die Reality-Soap um den Harem vom Alt-Kommunarden Rainer Langhans hat begonnen. Brigitte, in den Porträts der letzten Woche schon als „Sex-Faktor“ des TV-Harems gehypt, bringt statt Erotik-Schnickschnack lieber Kartoffelreibe und Dünst-Kochtopf mit. Das dämpft die Erwartungen. Big-Brother-Jana läutete anno 2000 immerhin mit Geisha-Intim-Kugeln den Reality-Boom um Zlatko & Co. ein. Doch Sex soll es trotzdem geben in diesem Alt-68er-Container, nur ganz anderen Sex: Tantrische Arbeit eben. Und nicht jugendfrei, wie TV Berlin verspricht. Deswegen laufen die Wiederholungen um 23 Uhr, nicht nachmittags.

Noch scheint die „Kommune“, im Vorfeld als „intellektuelles Big Brother“ oder „senile Tantra-Show“ verhöhnt, ein ayurvedisches „Alfredissimo“ zu werden. Eine Giftschlange nach der anderen packt Soja-Joghurt, Yogi- Tee und Sonnenblumenöl aus. Von wegen Gift. Lieb sind die Frauen zueinander. Um 21 Uhr 21 gibt es den ersten Höhepunkt: Brigitte und Gisela kuscheln auf dem Sofa in Löffelchen-Stellung. Gisela hat eine Saftpresse mitgebracht. Die Asche von Timothy Leary hat sie zu Hause in der Urne gelassen.

Rainer kommt als Letzter. Der Hahn im Korb hat als Mitgift Hauspantoffeln und eine Spann-Reckstange dabei. Als erstes fragt er die Frauen, ob sie ihre Lektüre-Hausaufgaben gemacht haben: Was sie von dem „Geheimen Bericht über Schwarzmagie“ und „Buddha, Krishna, Hitler“ halten. Literarisches Quintett. Mitternacht. Jutta wird müde und will aufs kollektive Matratzenlager. Rainer turnt noch an der Reckstange, geht aufs Klo (im Sitzen, na klar). Und fast sind wir bei der Schluss-Szene von den „Waltons“. Doch statt „Gute Nacht, John-Boy“ zu sagen, bevor das Licht ausgeht, fragt Jutta: „Wer schnarcht von Euch?“

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