HD-Fernsehen : Airbrush gegen Falten

Make-up statt neue Moderatoren: ARD und ZDF stellen sich auf hoch auflösende Fernsehbilder ein. Der erste Testlauf findet zur Leichtathletik-WM statt.

Kurt Sagatz

Die Zukunft kommt im Fernsehen eher in kleinen Schritten. In 13 Millionen deutschen Haushalten stehen zwar bereits Flachbildfernseher für die „High Definition“-Zukunft. Doch nur eine Million davon verfügt über die nötigen Empfänger oder Settop-Boxen. Zu Weihnachten könnte diese Zahl deutlich steigen, hofft Andreas Bereczky, beim ZDF für die technischen Innovationen zuständig. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF sind dabei, kräftig in die neue Technik zu investieren, um zu den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver in den HD-Regelbetrieb zu gehen. Bereits zuvor wird im Probebetrieb ausgestrahlt, um den Zuschauern das neue Fernsehen schmackhaft zu machen.

In den Sendern müssen dabei nicht nur die Techniker in der Regie und am Schnittpult umdenken, sondern auch die Kameraleute. Wegen des größeren Detailreichtums der HD-Bilder sind schnelle Schwenks künftig tabu. In der Totalen wird die Kamera ebenfalls länger in einer Einstellung verharren, damit die Zuschauer die Details genauer betrachten können. Auch die Maske muss sich auf die HD-Zeiten einstellen. „Die Puderquaste aus dem Kaufhaus ist für das hochauflösende Fernsehbild zu grob“, sagt ZDF-Chefkameramann Matthias Haedecke. Falten und Hautunebenheiten rückt man im HD-Zeitalter mit „Micro-Powder“ und Airbrush zu Leibe.

Die Vorbereitung der Zuschauer auf die HD-Zukunft beginnt zur Leichtathletik-WM im August in Berlin, die ARD und ZDF zusätzlich zum alten analogen und zum normalen digitalen Signal auch komplett in HD ausstrahlen werden. Dies bietet sich schon deshalb an, weil die beiden Sender ohnehin für das Weltbild verantwortlich sind. Wenige Wochen später zur Internationalen Funkausstellung wird ein zweites Mal komplett hochaufgelöst ausgestrahlt, ein dritter Showcase folgt Weihnachten. Viele Dokumentationen wie „Terra X“ oder Serien wie die „Rosenheim-Cops“ werden beim ZDF schon seit einiger Zeit in HD produziert, für Sport ist dies ebenfalls die Zukunft. Anders bei Nachrichten, hier wird man noch länger mit herkömmlichen Material auskommen müssen. Solche Sendungen werden dann für die HD-Ausstrahlung in das bessere Format umgerechnet.

Für die Zuschauer ist der Start in die hochaufgelöste Fernsehwelt erklärungsbedürftig – auch wegen konkurrierender Standards. Die in der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zusammengeschlossenen Sender, darunter ARD und ZDF, werden HD-TV mit 720 Zeilen und 50 Vollbildern ausstrahlen. Andere Sender setzen auf 1080 Zeilen, die in zwei Halbbildern ausgestrahlt werden. Nach EBU-Meinung hat das bei schnellen Bewegtbildern gerade im Sport und für die Verbreitung via Internet Nachteile.

Die HD-Einführung wird zudem erschwert, weil die Technik zumindest am Anfang nicht auf allen Verbreitungswegen gleichermaßen zur Verfügung steht. Haushalte mit digitalem Satellitenempfang werden bereits zur Leichtathletik-WM mit HD-Fernsehen versorgt, beim Kabel und beim Internet-TV per T-Home laufen noch die Gespräche. Und über Antenne wird man hochaufgelöstes Fernsehen frühestens mit dem nächsten DVB-T-Standard sehen können.

Immerhin droht deswegen keine neue Gebührenerhöhung. So ersetzt beim ZDF der erste HD-Übertragungswagen einen 17 Jahre alten Vorgänger, die Kosten werden größtenteils als Ersatzinvestitionen verbucht. Kurt Sagatz

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben