Medien : Heilige Hannah des Ostens

Neuer Fall für Barbara Rudnik als Polizeipsychologin

Katrin Hillgruber

„Schwerin: 1. Bezirk in der SBZ; gebildet im Sommer 1952 im Zuge der verfassungswidrigen Verwaltungsneugliederung aus dem Südwestteil von Mecklenburg sowie brandenburgischen Gebietsteilen“: So beschrieb das „Taschen- und Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone“ die heutige Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Wenn die aus Schwerin stammende, im Westen aufgewachsene Polizeipsychologin Hannah Schwarz die Tür zu einem Nebenzimmer ihres ganz in lastendem Blaugrau gehaltenen Elternhauses öffnet, dann ist es wieder da: das fernsehgerechte DDR-Gefühl, eine Tristesse der staubigen Gegenstände und der stummen, bedrückten Menschen.

Eigentlich wollte Hannah Schwarz vor drei Jahren nur den Nachlass ihres politisch zwiespältigen Vaters sichten und gleich zum Bundeskriminalamt in Wiesbaden zurückkehren, doch seitdem halten sie eine tragisch überschattete Liebe zu einem Klinikarzt (der im zweiten Film seine Tochter verlor) und ein Fall pro Jahr im Osten zurück. Während die ARD besonders kauzig-überdrehte „Polizeiruf 110“-Folgen aus „MeckPomm“ präsentiert, setzt man in Mainz auf einen beinahe feierlichen Schwermut bei der Aufarbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit. Dazu passen Barbara Rudniks kühle Schönheit und ihr eher verhaltenes Temperament nur allzu gut – Hannah Schwarz’ erster Fall „Tod im Park“ war mit mehr als sechs Millionen Zuschauern der erfolgreichste ZDF-Fernsehfilm des Jahres 2003.

Sven Poser, der mit Regisseur Martin Eigler die Drehbücher der Soli für Schwarz verfasst, will deutlich machen, dass die Hauptfiguren schon ein Leben vor der Wende hatten. „Der Tod kommt zurück“ setzt mit einem brutalen Doppelmord ein. Unter dem Sofa versteckt muss der kleine Patrick mitansehen, wie seine Eltern erschossen werden. Der einstige FDJ-Sekretär Krug und seine Frau liegen tot in ihrem düsteren Einfamilienhaus, dessen Interieur der LKA-Unsympath Hubert Esch (Felix Vörtler) sofort als „Ost-Mief“ abkanzelt. Er selbst sei 1991 von Bremen nach Schwerin gekommen, um „Entwicklungshilfe der ersten Stunde zu leisten“, verrät er dem örtlichen Kommissar Konrad Fuchs (Harald Schrott), womit er zum natürlichen Antipoden der sensiblen Hannah wird: „Diese Dame ist schon sehr speziell.“

Fuchs bittet Hannah Schwarz, die bloß noch das Haus ihres Vaters ausräumen und abreisen wollte, um Hilfe – sie soll den traumatisierten, völlig verstummten Jungen zum Sprechen bringen. Franz Kroß spielt den Funktionärssohn Patrick sehr glaubwürdig. Dessen Lage als einziger Zeuge ist äußerst prekär, zumal auch sein 16-jähriger Bruder unter Verdacht steht. Er hatte sich vom idealisierten Vater plötzlich abgewandt, um sich rechtsradikalen Waffennarren um dem „Führer von Schwerin“ anzuschließen. Dieser als typisch ostdeutsch dargestellte Zeitgenosse hatte ebenfalls eine Rechnung mit Krug offen, obwohl er zur Tatzeit in Haft saß.

Handelt es sich also um einen rasanten Auftragsmord mitten im Stillstand und Leerstand der Gegend? „Zukunft, als ob’s die noch irgendwo gibt“ kommentieren die wenigen verbliebenen Bewohner der Siedlung die Umzugspläne der Krugs, die nach ihrem Tod bekannt werden. „Klassische Stücke“ liegen auf dem verstaubten, verwaisten Klavier. Klassisch ist auch der Edelmut, mit dem Barbara Rudnik als Heilige Hannah für die Mühseligen und Beladenen des Ostens ficht, in schweren Klischee-Gewittern.

„Solo für Schwarz. Der Tod kommt zurück“: ZDF, 20 Uhr 15

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