• Heimatarmee beleidigt?: Polen debattiert weiter über ZDF-Kriegsfilm "Unsere Mütter, unsere Väter"

Heimatarmee beleidigt? : Polen debattiert weiter über ZDF-Kriegsfilm "Unsere Mütter, unsere Väter"

Die Empörung in Polen über den ZDF-Kriegsfilm "Unsere Mütter, unsere Väter" reißt nicht ab. Der Film habe nichts mit der Wahrheit gemeinsam, sagte jetzt Kulturminister Bogdan Zdrojewski. Das ZDF reagiert auf unerwartete Weise.

Partisanen haben Viktor (Ludwig Trepte, r.) als Jude enttarnt, er rechnet mit seiner Erschießung. Am Mittwoch läuft die letzte Folge des ZDF-Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ (20 Uhr 15). Den zweiten Teil am Montag verfolgten 6,57 Millionen Zuschauer. Foto: ZDF
Partisanen haben Viktor (Ludwig Trepte, r.) als Jude enttarnt, er rechnet mit seiner Erschießung. Am Mittwoch läuft die letzte...

Der polnische Kulturminister Bogdan Zdrojewski hat dem ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ vorgeworfen, nichts mit der historischen Wahrheit gemeinsam zu haben. „Für mich besteht kein Zweifel, dass dieser Film den guten Namen der (Untergrundkämpfer der) Heimatarmee verletzt“, sagte Zdrojewski am Freitag in Warschau. Der in Polen kontrovers diskutierte Film über das Schicksal junger Deutscher während des Zweiten Weltkriegs hatte sich bei seiner Ausstrahlung zu einem Publikumsmagneten mit bis zu knapp 29 Prozent Einschaltquoten entwickelt.

„Das ZDF bedauert es sehr, wenn die Darstellung der polnischen Figuren in dem Mehrteiler ,Unsere Mütter, unsere Väter’ in Polen als ungerecht und verletzend empfunden wird“, sagte ein Sprecher. Namhafte Historiker seien an der Buchentwicklung beteiligt gewesen. Die Redaktion habe bei der Buchentwicklung großen Wert auf eine differenzierte Darstellung aller Figuren gelegt. Dies gelte auch für die Polen, denen der deutsche Jude Viktor begegnet: zum Beispiel Alina, die ihn schützt, oder der Partisanenanführer, der Viktor zur Flucht verhilft.

Die Polen sind verärgert, weil angeblich einige Untergrundkämpfer als antisemitisch dargestellt werden

Minister Zdrojewski verwahrte sich auch gegen die Forderung nationalkonservativer Abgeordneter, der angeblich antipolnische Film hätte in Polen nicht gezeigt werden dürfen. „In dieser Regierung gibt es keine Minister, die zum Telefon greifen und dem Fernsehdirektor sagen (...) welche Filme gezeigt werden dürfen und welche nicht.“ Die Darstellung von Untergrundkämpfern, die sich im Film teilweise antisemitisch verhielten, hatte in Polen Empörung hervorgerufen. Die nationalkonservative Opposition forderte sogar die Entlassung des Fernsehchefs des öffentlich-rechtlichen Senders TVP, der den Film ausgestrahlt hatte.

Am Sonntag zeigt das ZDF um 23 Uhr 20 die Dokumentation „Kampf ums Überleben. Polen unter deutscher Besatzung“. dpa/Tsp

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