Medien : Heimatfilm: Liebe ist die Lösung

Joachim Huber

Nach dem Ende der Welt. ARD. Wenn es stimmt, dass bewusste Gegenwart nur vollendete Vergangenheit sein kann, dann können Professor Albert Cohen und seine Jugendliebe Araksi mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft blicken. Der Jude Cohen kommt aus Israel in die Stadt seiner Jugend, ins bulgarische Plowdiw, zurück. Seine Erinnerungen sind gemischt: einerseits die "Plowdiwer Lebensart", die Volks- und Religionsgruppen in großer Toleranz zusammenleben ließ, ehe stalinistische Verblendung das Großbürgertum stigmatisierte und die Minderheiten vertrieb. Also ging Cohens Familie ins gelobte Land, wobei Albert seine Araksi längst in Paris wähnte. Aber die "Kapitalisten-Familie" Wartanjan war aufs Land verbannt worden. Jetzt stehen sich Albert und Araksi wieder gegenüber. Die wirren Fäden der Vergangenheit werden mit Hilfe des Fotografen Kostas zu einer Chronologie verknüpft, dabei tritt der Untergang der Jugendwelt umso schärfer hervor. Der Film von Angel Wagenstein (Buch) und Iwan Nitschew (Regie) ist ein Heimatfilm. Heimat ist dort, wo die Seele schwingt; mögen die aktuellen Umstände - unglückliche Ehe, Mafia, Kriminalität - auch gegen ein Bleiben sprechen, jene Heimat ist stärker. Albert und Araksi werden höchstwahrscheinlich in Plowdiw zusammenbleiben. "Nach dem Ende der Welt" umgeht die drohende Kitschgefahr, weil allein die Vergangenheit gülden leuchtet und in der Gegenwart ihren Schatten findet. Nur verstohlen kommt die tröstliche Botschaft um die Ecke: Amor vincit omnia.

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