Heinrich Bauer : Einer für alle, alle für einen

Vater, Mutter, vier Töchter, ein Schwiegersohn: Der Heinrich-Bauer-Verlag setzt ganz auf die Familie.

Christian Meier

Am liebsten und am leichtfertigsten wird in der Medienbranche vermutlich über die Bauer-Verlagsgruppe gelästert. Über das große Kostenbewusstsein von Verleger Heinz Bauer, 69, das manche Beobachter Geiz nennen. Über die seichte Unterhaltung, die günstig produzierte Klatschblätter wie „Das neue Blatt“, „Freizeitwoche“ oder „Neue Post“ Woche für Woche verströmen. Über das auch nach Einstellung der Zeitschrift „Praline“ immer noch etwas schmuddelige Image, denn die Tochterunternehmen Pabel-Moewig und Inter Publish GmbH verdienen Geld mit Porno-Heftchen („Coupé“, „Blitz-Illu“) und Sex-Web sites. Worauf die offizielle Unternehmensdarstellung freilich mit keinem Wort eingeht.

Am heutigen Dienstag bittet der Verlag zur alljährlichen Pressekonferenz nach Hamburg ins Hotel Park Hyatt, und damit ist eine der wenigen Gelegenheiten gekommen, Heinz Heinrich Bauer zur Zukunft seines Unternehmens zu befragen. Bauer ist persönlich haftender Gesellschafter der Gruppe, die 238 Zeitschriften in 15 Ländern publiziert und Beteiligungen an elektronischen Medien wie Radio Hamburg und RTL 2 hält.

In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder mal Versuche, das Klischee der Billigbude zu konterkarieren. Bauer-Kommunikationschef Andreas Fritzenkötter dachte sich vor neun Jahren die „Goldene Feder“ aus, einen Medienpreis, der in der feinen Handelskammer Hamburg an Promis (Heiner Lauterbach, Veronica Ferres, Anna Netrebko), Wirtschaftsbosse (Joachim Hunold) und Journalisten (Frank Schirrmacher, Kai Diekmann) verliehen wird. Vor einigen Jahren gab der Verlag ein Übernahmeangebot für den Tagesspiegel ab, kam aber nicht zum Zug. Die „Magdeburger Volksstimme“ hat als einzige Zeitung im Port folio keinen großen strategischen Wert, doch Heinz Bauer kümmert sich persönlich um diesen Solitär. Das Konzept für eine hochwertige Frauenzeitschrift wurde verworfen, dafür widmet sich die Mediengruppe nun der Wissensvermittlung mit einem Heft zur TV-Sendung „Welt der Wunder“.

In den USA und Deutschland feierte der Verlag Erfolge mit den Blättern „InTouch“ und „Life&Style“, die Promiklatsch ohne großen journalistischen Nährwert bieten, in der Szene aber als verlegerische Innovation gepriesen werden, was Bauer wiederum Ansehen verschaffte. Vor einem Jahr sorgte der Kauf der Publikumszeitschriften und Radio stationen des britischen Medienhauses Emap („FHM“, „Grazia“) für etwa 1,6 Milliarden Euro für Aufsehen. Ambitionen hat der Verlag also so viel wie Geld – der Kauf wurde angeblich abgewickelt, ohne dass dafür Kredite aufgenommen werden mussten. Die Übernahme führte auch dazu, dass etwa die Hälfte des Umsatzes von jetzt schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro aus dem internationalen Geschäft stammt. Das gelingt keinem anderen deutschen Großverlag außer Gruner + Jahr. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Bauer 2009 zumindest einen Titel aus England auch in Deutschland startet.

In den vergangenen Jahren haben Medien, die über die Verlagsgruppe berichteten, regelmäßig die Nachfolgerregelung an der Spitze des Unternehmens thematisiert. Heinz Bauer selbst, dessen Urgroßvater 1875 mit der Gründung einer Druckerei den Grundstein für das Verlagsimperium legte, sagte vor zwei Jahren, es stünde außer Frage, dass eine Frau seine Nachfolge antreten werde. Bereit stehen gleich vier Töchter, die das verlegerische Erbe antreten könnten und die seit Jahren gezielt für Führungsrollen im Familienbetrieb aufgebaut werden. Sie besitzen alle einen kleinen Anteil am Verlag. Auch Ehefrau Gudrun Bauer spielt eine wichtige Rolle im Unternehmen – sie berät ihren Mann und repräsentiert die Gruppe unter anderem bei der Verleihung der „Goldenen Feder“.

Die älteste Tochter Mirja Bauer war Objektleiterin der Frauenzeitschrift „Laura“ und ist Herausgeberin der Mode- und Promi-Postille „Life&Style“. In einem Interview mit der Branchenzeitung „Horizont“ sagte sie: „Ich kann mir schon vorstellen, dass meine Schwestern und ich zu Beginn unserer Tätigkeiten aufmerksamer beobachtet wurden als andere. Umso mehr mussten wir zeigen, dass wir unsere Jobs beherrschen – spätestens nachdem wir das gezeigt haben, spielt unser Name keine Rolle mehr.“ Sie ist mit Sven-Olof Reimers verheiratet, der das digitale Geschäft des Verlags mitverantwortet.

Nicola Bauer volontierte bei der „Bild“-Zeitung und trat später die Chef redaktion der erfolgreichen People-Zeitschrift „InTouch“ an. Vor kurzem wechselte sie auf den Chefsessel der noch nicht ganz so erfolgreichen Zeitschrift „Life&Style“ und ist bei „InTouch“ Herausgeberin. Angesprochen auf ihre Stellung im Verlag sagte sie, ebenfalls in „Horizont“: „Unabhängig von Branche und Elternhaus gilt doch sowieso immer: Wer Erfolg haben möchte, muss dafür arbeiten und dabei auch mal mit gewissen Widerständen kämpfen.“

Yvonne Bauer ist Geschäftsleiterin der Bauer Vertriebs KG. Vor zwei Jahren wurde in der KG ein Skandal publik, in dem es um Unterschlagung und Korruption im zwielichtigen Milieu der Abo-Drückerkolonnen ging. Yvonne war maßgeblich an der Aufklärung des Skandals und der anschließenden Neustrukturierung der Vertriebs KG beteiligt. Zurzeit schlägt die Managerin einen scharfen Ton beim Presse-Grosso an, das für die Belieferung der deutschen Kioske verantwortlich ist und vom dem sie bessere Konditionen und Leistungen erwartet.

Die jüngste Tochter, Saskia Bauer, ist Assistentin ihres Vaters. Sie studierte in England und arbeitete als Verlagstrainee und bei der Vermarktungstochter Bauer Media. Gemeinsam mit Heinz Bauer nahm sie zuletzt die übernommenen Titel von Emap unter die Lupe.

Sofern nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, dürfte Heinz Bauer seinen Töchtern noch ein paar Jahre geben, bis er ihnen die Kontrolle über die Verlagsgruppe überlässt. Ob und wie die Macht über Bauer dann in der Familie aufgeteilt wird, ist nicht bekannt. Die bisherige Vorgehensweise lässt aber darauf schließen, dass alle Töchter in die künftige Führung des Verlags eingebunden werden. Bis dahin wird sich der passionierte Flieger Heinz Bauer weiter penibel um sein Reich kümmern, seine Strategie angesichts des drohenden Krisenjahres 2009 vorsichtig verfolgen – und sich ansonsten aus der tuschel- und klatschfreudigen Branche heraushalten. So gut das eben geht.

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