Medien : Heinrich Bauer Verlag: Wettbewerb tut gut

Ulrike Simon

Der Heinrich Bauer Verlag exisitiert seit 125 Jahren. Aber erst 1999 ließ sich das Unternehmen dazu hinreißen, öffentlich Bilanz zu ziehen. Man erfuhr, dass sich Verleger Heinz Heinrich Bauer nur ungern in die Brieftasche schauen lässt - was er auch nicht muss, schließlich handelt es sich bei seinem Verlag um eine Personengesellschaft, die ihre Gewinne und Verluste für sich behalten darf. Weiterhin erfuhr man, dass Bauer 2000 eine Computerzeitschrift und Bravo.de - Deutschlands führendes Internetportal in spe - starten will.

Ein Jahr später, am Donnerstag in Hamburg, ließ sich der Verleger immer noch nicht in die Brieftasche schauen. Über die Computerzeitschrift sagte er, das Projekt sei nicht marktreif. Er kündigte den Aufbruch ins Online-Zeitalter mit der Internet-Company dock23 an sowie erneut den Start von Bravo.de.

Heinz Heinrich Bauer ist ebenso kosten- wie medienscheu. Bei keinem Großverlag steht den Umsatzerlösen ein so niedriger Personalaufwand gegenüber. Nachdem die Verlagsgruppe 1997 erstmals die Umsatzmarke von drei Milliarden Mark überschritten hatte, setzte sie 1999 3,086 Milliarden um. 2000 werden es voraussichtlich 3,116 Milliarden sein.

Im rückläufigen deutschen Markt besetzt der Verlag weitgehend drei Geschäftsfelder: das sind Programm-, Jugend- und Frauenzeitschriften. Im Einzelnen spricht Bauer von Marktanteilen, gerechnet nach der Auflagenhöhe: vor allem dank "TV Movie" und "TV 14" stieg der Anteil im Markt der Programmpresse auf 51 Prozent. Auch bei den Frauenzeitschriften ("Tina", "Bella", "Neue Post") und beim Jugendtitel ("Bravo") konnte der Verlag die Marktführerschaft ausbauen (auf 40, respektive 50 Prozent).

"Bravo", das jahrelang Auflage verlor, kam das neue Blatt "Yam" aus dem Hause Springer zugute. Bauer-Geschäftsführer Manfred Braun kommentierte die verbesserte Situation von "Bravo" so: "Vielleicht brauchen wir manchmal einen etwas stärkeren Wettbewerb, um voranzukommen." Bei den Frauentiteln kündigte Braun das Blatt "Vida" an - eine wöchentliche Frauenzeitschrift, die im Frühjahr 2001 erstmals erscheinen soll.

Die Zukunft sieht Bauer weiterhin in TV-, Frauen- und Jugendtiteln - insbesondere darin, erreichte Positionen in stagnierenden bis schrumpfenden Gesamtmärkten zu verteidigen. Dafür soll die neue Managementebene aus drei Verlagsgeschäftsführern sorgen. Das allgemein florierende Anzeigengeschäft bleibt bei Bauer im Hintergrund. Der Verlag lebt von dem Verkauf von möglichst viel, aber kostengünstig gedrucktem Zeitschriftenpapier.

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