Medien : Heinz Bauer und seine Töchter

Der Hamburger Verleger finanziert Hans Barlach bei der „Hamburger Morgenpost“

Ulrike Simon

Alle Jahre wieder wird Heinz Bauer die Frage gestellt, wie hoch die Gewinne seiner Verlagsgruppe sind. Wie in jedem Jahr antwortete Bauer bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2002 am Dienstag in Hamburg, dass er als persönlich haftender Gesellschafter einer Personengesellschaft nicht bereit sei, sein Portemonnaie zu öffnen. Und er versicherte: „Meine Familie und meine Verwandten können gut von den Gewinnen leben.“ An eine Umwandlung der Gesellschaftsform denke er nicht angesichts der Erbschaftssteuer. „In meinem Alter“, sagte der 64-Jährige, müsse er „an die nächste Generation denken“. Er zählte seine vier Töchter auf: eine arbeitet als „Bild“-Lokalredakteurin in Berlin, eine studiere in Berlin BWL, eine volontiere beim Hamburger Verleger Thomas Ganske im Buchbereich, eine arbeitet bereits im väterlichen Konzern. Dass es ihm um die Zukunft seiner Töchter gehe, sagte Bauer auch im September, als er sich am Kauf des Tagesspiegel interessiert zeigte. Weder hier noch zuvor bei der „Berliner Zeitung“ kam er zum Zug.

Bauer gehört bei einem Umsatz von 1,71 Milliarden Euro eine Vielzahl von Zeitschriften, mit denen er unter anderem den Markt der Programmzeitschriften („TV Movie“, „TV 14“) zu 52,6 Prozent besetzt, den Markt der Jugendblätter („Bravo“) zu 40,9 und den der wöchentlichen Frauentitel („Neue Post“, „Das neue Blatt“) zu 39,9 Prozent. Daneben gehört Bauer ein Drittel von RTL 2 sowie die „Volksstimme“ in Magdeburg. Der als geizig bekannte Verleger witzelte am Dienstag, „wir haben nicht das dringende Bedürfnis, unsere finanzielle Stärke in eine finanzielle Schwäche überführen zu müssen.“ Er halte aber daran fest, „das Medienhaus“ auf „weitere Säulen zu stellen“. Er würde „nicht gezielt alle Zeitungsverleger abklappern“, aber wenn etwas zum Verkauf steht, „werden wir mit unserem Angebot auf der Liste sein“.

Auf die Frage, ob dieses Interesse auch bei der „Hamburger Morgenpost“ bestünde, sagte Heinz Bauer dem Tagesspiegel, er sei nicht am Kauf der „Hamburger Morgenpost“ interessiert, auch nicht an einer Beteiligung: Er bewundere die Eigentümer dafür, wie sie die Boulevardzeitung profitabel gemacht hätten. Die „Mopo“ ist die einzige Zeitung in der Medienstadt, die nicht Springer gehört. Früher gehörte sie der SPD, vor Jahren war Bauer einmal an der „Mopo“ interessiert, dann kaufte sie Gruner + Jahr. 1999 wurde sie an den Bildhauer-Erben Hans Barlach und den Versandhauserben Frank Otto weitergereicht. Sie gründeten die City-Boulevard-Gesellschaft, die Otto zu zwei und Barlach zu einem Drittel gehört. City Boulevard ist an der „Hamburger Morgenpost“ zu 95 Prozent beteiligt, der Rest gehört dem Chefredakteur Josef Depenbrock.

Jetzt wollte Otto seine Anteile verringern und verkaufte sie an den Geschäftsführer der „Kieler Nachrichten“, den über 70-jährigen Christian Heinrich. Doch Barlach pocht auf seinem Vorkaufsrecht, zumal er verhindern will, dass Springer als Eigentümer der „Kieler Nachrichten“ auch noch auf die „Mopo“ Einfluss nehme. Für mehr als 1,6 Millionen Euro hat er die Otto-Anteile zurückgekauft, das Geld ist überwiesen, Barlach sieht sich mit nun rund 67 Prozent als Mehrheitsgesellschafter.

Nach dem Ende der Pressekonferenz räumte Bauer-Geschäftsführer Manfred Braun ein, dass sein Verlag Barlach ein Darlehen für die Anteilsaufstockung gewährt habe. Bauer hänge „mit Herzblut“ an der „Mopo“, Gesellschafter wolle er jedoch nicht werden. Es sei allerdings üblich, dass die Anteile als Sicherheit dienen und an Bauer gehen, sollte Barlach das langfristig gewährte Darlehen nicht zurückzahlen.

Einen Strich durch diese Rechnung will Frank Otto machen. Er sagt plötzlich, er wollte gar nicht verkaufen, der Vertrag sei nichtig. „Die Verträge sind unterschrieben", sagte Manfred Braun.

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