Medien : Helden der Arbeit

Von der Putzfrau zum Programmierer – das ZDF zeigt eine Dokumentarfilm-Reihe zum Thema Arbeitswelten

$AUTHOR

Ob sie stolz ist, eine gute Putzfrau zu sein?, fragt der Mann. Delia Pereira-López lehnt sich langsam in den Sessel zurück und denkt nach, sie weiß es nicht. Eigentlich wollte sie Malerin werden, doch nun arbeitet sie seit Jahren als Putzfrau. In ihrer Freizeit aber, da malt und singt sie immer noch.

Judith Keil und Antje Kruska zeigen in ihrem Dokumentarfilm „Der Glanz von Berlin“ Momente aus dem Leben von Frauen wie der Argentinierin Delia, deren Arbeit es ist, Räume wieder zum Glänzen zu bringen. Fröhliche, rührende und zum Teil absurde Momente reihen sich im Film aneinander, er ist ganz frei von Kitsch.

Auf der diesjährigen Berlinale war er ein großer Erfolg, heute abend wird er um 0 Uhr 40 zum erstem Mal im Fernsehen ausgestrahlt, als Auftakt zur ZDF-Reihe „Deutschland dokumentarisch“ zum Thema „Arbeitswelten“. An jeweils vier Montagen zeigen Filmemacher, wie die Identität der Menschen durch ihre Arbeit geprägt ist.

Alle Dokumentarfilme sind mit Hilfe der Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ entstanden, die ein bisschen so etwas ist wie eine Kaderschmiede, denn schon Rainer Werner Fassbinder und Alexander Kluge haben hier Filme gemacht. In den vergangenen Jahren waren es Oskar Roehler mit „Die Unberührbare“ oder Hannes Stöhr („Berlin is in Germany“).

Die Filme der Reihe „Arbeitswelten“ kommen ohne Kommentare aus, die Personen und Ereignisse sprechen für sich. Wie zum Beispiel im Film „Leben nach Microsoft“ (28. Oktober, 0 Uhr) von Corinna Belz und Regina Schilling. Die beiden Frauen besuchen sieben ehemalige Programmierer, deren Entwicklungen Windows und Word das Büroleben verändert haben. Jahrelang schufteten sie, um mit Anfang 30 Millionäre zu sein. Kurz darauf waren sie Frührentner. Die Technik hatte sie überholt.

Über zuviel Freizeit können sich die Protagonisten in Stefan Landorfs Film nicht beschweren. „Aufnahme“ (21. Oktober, 0 Uhr 5) zeigt den Alltag im Berliner Großkrankenhaus Moabit; Landorf ist selbst approbierter Arzt. Und auch Alexander Riedel, der Autor des letzten Films der Reihe, hat sein eigenes Lebens verarbeitet. Als Student hat er im Druckhaus des Süddeutschen Verlags gearbeitet, dort hat er seine Protagonisten kennen gelernt: Nachtarbeiter, 2001 wurden sie wegrationalisiert („Nachtschicht“, 4. November, 0 Uhr 15).

„Die ersten Arbeiten, egal ob im fiktionalen oder dokumentarischen Film, tragen meist autobiographische Züge“, sagt Heike Hempel, Redaktionsleiterin vom kleinen Fernsehspiel. „Das sind dann meist auch die Stärken dieser Filme." Alva Gehrmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar