Helen-Dorn-Krimi : Zwölf Stunden Rache

Im neuen Helen-Dorn-Krimi "Bis zum Anschlag" will ein Arzt Vergeltung für den Tod seiner Tochter. Damit er nicht selbst schießen muss, entführt er einen Sportschützen.

Schießen lassen ist der tödliche Plan von Dr. Ising (Joachim Kròl, links).
Schießen lassen ist der tödliche Plan von Dr. Ising (Joachim Kròl, links).Foto: ZDF

„Sie müssen mir einen Gefallen tun.“ Daniel Weiss (Barnaby Metschurat) muss dieser Satz wie ein ausgesprochen schlechter Scherz vorkommen. Weiss liegt gefesselt und geknebelt im Kofferraum des Autos, mit dem er verschleppt wurde. Soeben ist seine Tochter entführt und seine Freundin, eine Polizistin, niedergeschossen worden. Nun steht ein Mann vor ihm, der zwar eine Pistole trägt, aber gar nicht wie ein Gangster auftritt: „Tut mir leid, was da in Ihrem Haus passiert ist“, entschuldigt sich Dr. Ising (Joachim Król) für sich selbst und seine beiden Komplizen. Der Arzt hat allerdings einen Plan, den er unter allen Umständen durchziehen will. Isings drogenabhängige Tochter starb an einer Überdosis. Nun will er Weiss, einen Sportschützen, dazu zwingen, ihm bei seinem Rachefeldzug zu helfen. „Wir sind sehr gut in der Zeit“, sagt Ising.

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Man könnte nun erwarten, dass Helen Dorns (Anna Loos) dritter Fall zu einem atemlosen Wettlauf wird. Die Folge trägt den mehrdeutigen Titel „Bis zum Anschlag“, und weil das Publikum der Polizei immer einen Schritt voraus ist und Isings konkretes Ziel lange im Dunkeln bleibt, ist für ausreichende Spannung gesorgt. Doch obwohl alle Beteiligten immer mal wieder auf die Uhr blicken, geht es Regisseur Markus Imboden offenkundig nicht um größtmögliches Tempo, um höchste Gefahr und Rettung in allerletzter Sekunde. Sondern vor allem um das aberwitzige Drama, in das der eine Vater den anderen hineinzieht. Denn bei Isings Plan geht von Anfang an vieles schief. „Wenn mir nicht dauernd jemand dazwischenfunken würde, wäre noch niemandem etwas passiert“, schimpft Ising ungehalten, nachdem er höchstpersönlich für den dritten ungewollten Todesfall gesorgt hat. Hauptsache, er bleibt in der Zeit.

"Bis zum Anschlag" ist kein Sozialdrama - sondern solider Krimi

Król spielt den Arzt nicht als verzweifelten Amokläufer, sondern als kühl planenden Kopfmenschen, der zunehmend die Kontrolle verliert. Dabei verleiht er seiner Figur auf bewährte Król-Art empathische Züge, die beinahe komisch wirken. „Sie machen das gut“, lobt Ising die Vaterqualitäten des alleinerziehenden Weiss und tätschelt unbeholfen dessen Kopf. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz verliert der Rächer sein Ziel nicht aus den Augen. Auch in den Szenen, in denen Ising droht oder Gewalt anwendet, bleibt Król einigermaßen glaubwürdig. Barnaby Metschurat ist der Getriebene, der liebevolle Vater, der genötigt wird, aus seinem Hobby blutigen Ernst werden zu lassen. Die Figur des Daniel Weiss ist ein bisschen sehr brav und ganz und gar ohne Abgründe: ein sympathischer Sportschütze, der zum Schießen gezwungen wird. Noch dazu von Beruf Lehrer, was immerhin mal eine ungewöhnliche Kombination ist.

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Doch „Bis zum Anschlag“ ist kein Themen-Film, schon gar kein Sozialdrama. Wie die Drogen in die Villen-Vorstadt gekommen sind, interessiert nur am Rande. Auch wird nur ansatzweise aufgeklärt, warum die Ising-Tochter ins Milieu abgeglitten war. Dafür hat das Drehbuch von Nils-Morten Osburg eine schnörkellose Dramaturgie in einem klaren zeitlichen Rahmen: zwölf Stunden, ein Film. Um 6 Uhr 45 Uhr klingelt zu Beginn der Wecker zu Hause bei Daniel Weiss, um 18 Uhr 45 blickt Helen Dorn zum letzten Mal auf die Uhr im Büro des Landeskriminalamts Düsseldorf. Dazwischen liegt ein Arbeitstag, an dem Dorn gemeinsam mit Kollege Gregor Georgi (Matthias Mattschke) zielstrebig und klug ermittelt. Weder Dorns Vater noch Georgis Familie spielen diesmal eine Rolle. Für Privatleben bleibt in diesem soliden Polizeifilm keine Zeit.

„Helen Dorn – Bis zum Anschlag“, Samstag, ZDF, 20 Uhr 15

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