Medien : Henri-Nannen-Preise vergeben

Neben Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki wurden in Hamburg auch zwei Tagesspiegel-Autoren geehrt

Christian Meier

Am Zeitungsstand an der Straßenecke ist das Leben mit den Printmedien in Ordnung. Hunde streunen umher, im Café nebenan liest man die soeben gekaufte Zeitung. Exakt so einen aus der Zeit gefallenen Kiosk hat Gruner+Jahr am Freitagabend auf die Bühne des Hamburger Schauspielhauses gepflanzt. Auf dem Spielplan: Die Verleihung des Henri-Nannen-Preises. Unter den Preisträgern sind, wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet, zwei „Tagesspiegel“-Mitarbeiter: Harald Martenstein für seine Kolumne „Lebenszeichen“ im „Zeit Magazin Leben“. Und Seite-Drei-Redakteur Torsten Hampel, der in „Geo“ gemeinsam mit Katja Trippel und Lars Abromeit der Vernichtung der Fischbestände in den Ozeanen auf den Grund ging. In der Königsdisziplin „Beste Reportage“ siegte Sabine Rückert mit einem Beitrag für das „Zeit Magazin Leben“. Der Preis für die „Beste investigative Leistung“ ging an ein Team von „Spiegel“-Journalisten“: Sie wiesen nach, dass im Radrenn-Team der deutschen Telekom verbotene Doping-Mittel verwendet wurden. Die Auszeichnung ist im vierten Jahr ihres Bestehens zum ambitioniertesten deutschen Preis für Printjournalismus geworden. Alles, was Rang und Namen in der Branche hat, findet sich zur Verleihung ein – zur Jury gehören Hans Werner Kilz von der „Süddeutschen“, Tagesspiegel-Herausgeber und „Zeit“-Chef Giovanni di Lorenzo, „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer und Helmut Markwort. Eine prächtige Inszenierung. Denn darum geht es neben der Auszeichnung hervorragender Journalisten in erster Linie: Gruner+Jahr als das Qualitätsmedienhaus der Republik zu positionieren. Es ist kein Zufall, dass mit Liz Mohn, Hartmut Ostrowski und Gunter Thielen ranghöchste Vertreter des G+J-Mutterhauses Bertelsmann in der ersten Reihe Platz nehmen. Dort sitzt auch die Bundeskanzlerin. Angela Merkel hält die Laudatio auf Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der für sein Lebenswerk geehrt wird. Reich-Ranicki, sagt Merkel, verkörpere die Kraft von Literatur und Musik, er „lebe“ Kultur. Der mit Standing Ovations bedachte „MRR“ spricht von der Kanzlerin als einer Repräsentantin der Vernunft, die ihn seit einem gemeinsamen Abendessen fasziniere. Kanzlerin und Literaturpapst auf einer Bühne, eine beeindruckende Dankesrede der irakischen Journalistin Zainab Ahmed, die für ihren Einsatz für die Pressefreiheit geehrt wird, „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga als souveräne Begleiterin durch den Abend – der Hamburger Verlag wird es schwer haben, da einen draufzusetzen. Einzig die Bandbreite der Medien, die für preiswürdig befunden wurden, ist ziemlich begrenzt. „Zeit“, „Spiegel“, „Stern“, „Geo“, „FAZ“, „Süddeutsche“, das „NZZ Folio“ – bei 830 eingereichten Beiträgen aus 181 deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften eine erstaunlich homogene Auswahl von Konsensmedien. Christian Meier

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben