• Henry Hübchen im Interview: Der Schauspieler über Fernsehen im vereinten Deutschland und Surfen in der DDR

Medien : Henry Hübchen im Interview: Der Schauspieler über Fernsehen im vereinten Deutschland und Surfen in der DDR

Herr Hübchen[dass Sie zweimal DDR],stimmt es[dass Sie zweimal DDR]

Henry-Hübchen-Festspiele im Fernsehen: Gestern spielte der ostdeutsche Schauspieler in dem eindrucksvollen ARD-Fernsehfilm "Liebestod" den Kommissar Robert Nebe, der ein Verbrechen begeht, um sein privates Glück zu retten. Heute ist er in dem Pro-Sieben-Thriller "Der Mörder in meiner Nähe" (20 Uhr 15) zu sehen.

Herr Hübchen, stimmt es, dass Sie zweimal DDR-Meister im Surfen waren?

Ach ja, das ist schon sehr lange her, 1981 und 1982. Das ging in der DDR fast zeitgleich mit dem Westen los, nur dass es da relativ lange beim Eigenbau der Bretter blieb.

Surfen Sie heute noch?

Zum Spaß, klar. Ich kann nicht am Strand liegen. Das ist mir zu langweilig.

Was schätzen Sie am Fernsehen?

Das Unmittelbare. Es entsteht etwas aus einem momentanen Gefühl heraus, und das wird von der Kamera eingefangen.

Sie sind auf der Bühne dafür berüchtigt, Sätze eigenmächtig zu verändern und hinzuzufügen. Machen Sie das vor der Kamera auch?

Das wäre total angebracht. Man hat beim Filmen die Möglichkeit zu improvisieren, aber das gibt es selten. Zeit ist Geld, und Geld ist beim Fernsehen meist zu wenig da. Deswegen bin ich für staatliche Sender, die nicht nur durch Gebühren, sondern auch durch Steuergelder finanziert werden. Die müssten sich dann mit anspruchsvolleren Stoffen beschäftigen. Als Staat würde ich mich auch mehr in die privaten Sender einmischen.

Bald wird zehn Jahre deutsche Einheit gefeiert. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Unterm Strich positiv. Es ist schon ein interessantes Erlebnis, wenn Sie von einer Gesellschaftsordnung in eine andere katapultiert werden. Das haben die DDR-Bürger den West-Bürgern voraus. Ich beschwere mich nicht über diese Lebenserfahrung. Ich musste nicht umschulen oder mein Leben total ändern. Zum Teil habe ich mehr Arbeitsmöglichkeiten, doch die sind oft lapidarer. Aber ich kenne sehr viele ältere Schauspieler aus der DDR, die kaum noch arbeiten, die bei den alten Seilschaften des Westens außen vor geblieben sind. Und die Produktionsstätten der DDR, das Fernsehen und die Defa, die gibt es ja nicht mehr.

Sie sagen lapidarer. Was meinen Sie damit?

Das hat nichts mit Ost und West zu tun. Vor zehn Jahren gab es noch nicht das Internet, diese Vernetzung, diese Art von Kommunikation. Es gab auch noch nicht diesen Run auf die Börse. Der Zeitgeist ist ein anderer.

Fühlen Sie sich wohl mit diesem Zeitgeist?

Ja, ich möchte mich nicht dagegen stemmen, das ist ein Naturereignis. Gesellschaftliche Vorgänge kann man beeinflussen, aber man kann das Rad der Geschichte nicht anders lang drehen.

Haben Sie den Anspruch, die Gesellschaft zu verändern?

Ich möchte Fragen stellen, aufmerksam machen, verunsichern. Aus einer Verunsicherung heraus beginnt man sich zu bewegen. Denn wenn man nicht in Not kommt, passiert nichts, dann isst man das nächste Stück Kuchen und wird noch fetter. Diesen Anspruch kann man ab und zu mit einer Fernsehsache erfüllen.

Fehlt Ihnen der direkte Kontakt zum Publikum?

Nein, aber nach 30 Drehtagen oder nach einer unbefriedigenden Arbeit habe ich wieder Sehnsucht nach der Bühne, vor allem nach Theater-Leuten wie Frank Castorf. Der denkt schon einen Gedanken mehr als die Masse der deutschen Fernseh- und Filmregisseure.

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