Herbe Verluste für Radiosender : Kein Bock auf Klassik

Zweimal jährlich warten die Radio-Sender gespannt auf die Veröffentlichung der neuesten Hörerzahlen. Auch die aktuellen Statistiken halten einige Überraschungen bereit.

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Das Klassik Radio hat im zurückliegenden Halbjahr gut ein Drittel seiner Hörer verloren.
Das Klassik Radio hat im zurückliegenden Halbjahr gut ein Drittel seiner Hörer verloren.Screenshot: Tsp

Unter den werbetreibenden Radio-Wellen in Berlin und Brandenburg hat es im zurückliegenden Halbjahr teilweise erhebliche Reichweitenverluste gegeben. Dies zeigt die Media-Analyse Radio 2014/I, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. An den Zahlen orientieren sich die Sender bei der Festlegung der Werbepreise. Zu den großen Verlierern in der Region gehört das Klassik Radio, das beinahe ein Drittel der Hörer eingebüßt hat. Das nicht werbetreibende RBB-Kulturradio konnte davon mit 110 000 (MA 2013/II: 111 000) Hörern nicht profitieren. Deutschlandradio Kultur verzeichnete ein Minus von 5000 auf 70 000 Hörer, beim Deutschlandfunk sank die Tagesreichweite um 19 000 auf 157 000 Hörer.

Die beliebtesten Radio-Wellen in Berlin und Brandenburg haben ihre Positionen weitgehend behauptet. Meistgehörter Sender bleibt Antenne Brandenburg vor 104.6 RTL und BB Radio. Der RBB-Sender RadioBerlin 88,8 steigerte seine Hörerzahl und rutschte um drei Plätze nach vorn, der Berliner Rundfunk muss sich mit Platz neun zufriedengeben. Einen Dämpfer erhielt das Info Radio mit minus 7000 Hörern. Einen Hörerzuwachs um 50 Prozent verbuchte dagegen Radio B2. Bundesweit haben die öffentlich-rechtlichen Sender ihre werktäglichen Hörerzahlen um 1,5 Prozent auf 39,65 Millionen ausgebaut, die Nutzung der Privatradios sank um 0,6 Prozent auf 32,28 Millionen.

Künftig sollen verstärkt jüngere Hörer befragt werden

Die aktuelle Radio-MA ist die letzte Erhebung, bei der die Gespräche nach Hörgewohnheiten ausschließlich über Festnetztelefone geführt werden. Dies wurde vor allem von Wellen mit vielen jungen Hörern kritisiert. Um diese Gruppe besser zu erfassen, sollen künftig auch Mobilfunkanschlüsse berücksichtigt werden. „Weil bei Handynummern der Ort nicht über die Vorwahl festgestellt werden kann, ist das keineswegs trivial“, sagte der Hörfunk-Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Media Analyse, Dieter Müller.

Nach den aktuellen Zahlen hören 80 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung täglich Radio, die Durchschnittsdauer beträgt 199 Minuten. Die Arbeitsgemeinschaft befragt für die Erhebungen 68 500 Personen im Alter ab zehn Jahren. Ende März soll die erste Radio-MA veröffentlicht werden, in der nur Internetstreams berücksichtigt werden. Kurt Sagatz

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