Herbert Feuerstein : Rhein, Wein, Sein

Harald Schmidt gratuliert seinem Kollegen von "Schmidteinander" zum 70. Geburtstag - der sieht es nüchtern: „Für dich beginnt eine neue E-Pocher – äh, Epoche“.

Thomas Gehringer
Schmidteinander
Als Harald Schmidt der Jüngere war: "Schmidteinander". -Foto: dpa

Langjährige Paare tun so etwas, unternehmen an Geburtstagen einen Ausflug auf dem Rhein, lassen Landschaft und Leben bei einem guten Tropfen an sich vorbeiziehen. Mal denkt man liebevoll an gemeinsame Tage zurück („jetzt siehst du aus wie in dem Sketch, in dem du dir als Baby die Milch hinter die Brille gekippt hast“). Mal zankt man sich ein bisschen („ich leide“ – „du leidest überhaupt nicht, das hast du dir zurechtgelegt“). Mal plaudert man über das vorzügliche Essen („gibt es nicht Gänsestopfmaschinen?“ – „das geschieht per Hand, das machen polnische Facharbeiter“). Am Ende kommt ein bisschen Wehmut auf – beim Zuschauer, denn die Kombination Harald Schmidt und Herbert Feuerstein ist und bleibt Vergangenheit. Nicht einmal die kurze Neuauflage von „Pssst“ konnte daran etwas ändern.

Zwischen 1990 und 1994 unterhielten beide das „Schmidteinander“-Publikum mit grobem Unfug, überdrehten Parodien, anarchischem Witz und dem immergleichen Rollenspiel vom gemeinen Meister und seinem geknechteten, kleinwüchsigen Assistenten am Katzentisch. In der Gegenwart gönnt sich ARD-Teilzeitarbeiter Harald Schmidt eine Sommerpause, die länger ist als der Sommer selbst. Und wenn Ende Oktober seine Show neu startet, holt er sich mit Oliver Pocher einen jungen Rotzlöffel an die Seite. Dann ist Schmidt altersbedingt der Feuerstein.

Aber erst einmal wird Geburtstag gefeiert. „Herr Feuerstein wird 70, und Herr Schmidt bejubelt ihn“ lautet der Titel einer denkwürdigen Schiffstour auf dem Rhein. Herbert Feuerstein wird heute tatsächlich 70 Jahre alt, und Schmidt, der am 18. August 50 wird, gibt den Gastgeber, während sie mit der „Stadt Köln“ vor der Kulisse der Domstadt für den WDR auf und ab schippern. Man spricht in gut 100 Minuten über alte Zeiten, über Mozart, Thomas Bernhard, New York und die Angst vor dem Tod. Feuerstein nuschelt perfekt wie der österreichische Schauspieler Hans Moser und nennt ARD-Programmdirektor Günter Struve „quallig“.

Dazu gibt es erlesenes Essen von Sternekoch Dieter Müller und als Zwischengänge den einen oder anderen Ausschnitt aus „Schmidteinander“. Man erinnert sich gerne, zum Beispiel an Feuerstein als einzig wahre Sissi. Oder als Adolf Hitler: „95 Prozent der Naturschützer werden in tausend Jahren sagen, der Führer wäre schon in Ordnung gewesen, hätte er nur nicht die Autobahnen gebaut.“

Dass Feuerstein 70 sein soll, ist kaum zu glauben. Sein Leben lang sah er älter aus, als er ist. Nun ist es umgekehrt. Bis heute ist der gebürtige Österreicher, der am Salzburger Mozarteum Musik studierte, in New York als Journalist arbeitete und in Deutschland die Nonsenszeitschrift „MAD“ herausgab, ein Anti-Star geblieben, ein komischer Kauz, der in Fernsehrummel und Kulturbetrieb überall und nirgends hinpasst. Der bei „Genial daneben“ miträt und Klassikabende in Musiktempeln präsentiert. Der Bücher schreibt, schauspielert, Reisereportagen dreht und für Spülmaschinenreiniger wirbt.

Feuerstein war bei „Schmidteinander“ der kreative Kopf. Er verwandelte das David-Letterman-Vorbild in ein eigenes, skurriles Format, während Schmidt es später einfach kopierte und darüber in Deutschland zum Star wurde. „Ohne dich gäbe es keine Late Night in Deutschland“, schmeichelt Schmidt. „Für dich beginnt eine neue E-Pocher – äh, Epoche“, witzelt Feuerstein, der seinem Gastgeber noch eine private Nachricht entlockt: Schmidt wird zum fünften Mal Vater.

„Herbert Feuerstein wird 70, und Herr Schmidt bejubelt ihn“, WDR Fernsehen, 21 Uhr 45

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