Medien : Herr Rossi sucht das Glück

Robert Bongen

„Gestatten, Rossi!“ – „Vossi?“ – „Nein, Rossi, mit einem Rrrr!“ Sein Chef konnte sich den Namen des kleinen Herrn im roten Zwirn nie merken. Dabei rollte kein anderer das „R“ so schön wie Herr Rossi, auf seiner ewigen Suche nach dem Glück. Dieser knuffige Kleinbürger Rossi, der chronische Verzweifler, der sich in abenteuerliche Tagträume flüchtete, um die Welt ertragen zu können. Immer treu dabei: sein trotz Hundegestalt menschlicher Gefährte Gastone.

Gezeichnet wurde Rossi, der interessanterweise auch im Profil immer zwei Augen besaß, von Bruno Bozzetto, einem der bedeutendsten Vertreter des „Fumetto“, des italienischen Cartoons. Zunächst war er nur Star in einem Comicstrip der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. Als Bozzetto jedoch einmal mit einem guten Kurzfilm bei einem Festival abgelehnt wurde, war er wütend und schuf enttäuscht einen anderen Kurzfilm: „Ein Preis für Mr. Rossi“ – mit Rossi als Karikatur des Festivaldirektors.

Der Kurzfilm wurde ein Erfolg und ging 1975 bei der ARD in Serie, mit insgesamt drei Staffeln. Drei Staffeln Zeichentrick, in denen Rossis Reise zu den alten Römern, in den Wilden Westen oder auf fremde Planeten führt, drei Staffeln, in denen er als Sherlock Holmes auf Schurkenjagd geht, als Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel landet oder sich als Tarzan durch den Dschungel träumt.

Mittlerweile lässt die 70er-Lounge-Welle diverse Versionen des Titelsongs von damals wieder auf den Plattentellern rotieren, und nicht nur die Endzwanziger von heute jauchzen fröhlich „Viva La Felicita“. Das Berliner Label „Crippled Dick Hot Wax“ hat, dankenswerterweise, vor einiger Zeit eine Compilation mit allen Rossi-Songs herausgegeben.

Nach Angaben von Bruno Bozzetto hat sich sein Held mit Hund Gastone übrigens vom Zeichentrick-Rummel zurückgezogen und lebt auf einer Hühnerfarm in Tirol. Vielleicht hat er ja dort sein Glück gefunden, der Herr Rossi.

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