Medien : Herr Schmidt schwitzt

Matthias Kalle

Herr Schmidt sieht fern. WDR-Fernsehen . Manchmal funktioniert Fernsehen ganz einfach und das Resultat verblüfft: Man filmt Leute dabei, wie sie die Dinge tun, die sie am liebsten machen, und am Ende fühlen sich alle Beteiligten gut unterhalten. Deshalb schauen die Leute zum Beispiel Fußball. Oder Harald Schmidt, der in seiner Show seinen Neigungen nachgeht und nichts sonst.

So. Es ist allerdings ein Trugschluss, wenn man annimmt, dass Menschen, die im Fernsehen sind, das Fernsehen lieben. Was kommt nun also dabei heraus, wenn man zum 50. Geburtstag des WDR eine neunzigminütige Sendung produziert, die „Herr Schmidt sieht fern“ heißt und deren Inhalt es ist, dass Harald Schmidt und Elke Heidenreich Ausschnitte aus einem halben Jahrhundert kommentieren? Leider nicht das, was man erwartet hat.

Am Anfang erscheint die Sendung wirr uns konzeptlos, Ausschnitte aus den 50er Jahren und das Duo Schmidt-Heidenreich wechseln sich unmotiviert ab, erst als eine längere Strecke über Willy Millowitsch und Joachim Fuchsberger kommt, fängt sich der Zuschauer. Und erstmals fängt sich auch Schmidt, der über beide sagt: „Wenn die kamen, dann war bei uns zu Hause Hochamt.“ Das meint er ernst, so wie er seine Hymne über Kulenkampff und vor allem über Rudi Carrell ernst meint, die die Unterhaltung im deutschen Fernsehen revolutioniert haben. Wenn Schmidt über einen Carrell-Auftritt sagt: „Das hat amerikanisches Format“, dann geht die Verbeugung nicht tiefer. Doch je weiter man in der Zeit vorankommt, desto einsilbiger wird Schmidt, während Elke Heidenreich komplett vergisst, dass womöglich noch Menschen zuschauen, und das moderieren einstellt. Einmal spielt sie Akkordeon, Schmidt singt dazu, und dann kommt sie zu dem Entschluss: „Beim Fernsehen muss man reden.“ Ab und an wagt Schmidt eine Analyse: Zu Ausschnitten aus den 90er Jahren sagt er, man merke, wie das Privatfernsehen Einfluss genommen habe – das ist kein Kompliment. Am Ende will Heidenreich kritisch werden und fragt Schmidt, ob in der Unterhaltung alles möglich sei. Seine richtige Antwort: „Weiß ich nicht.“ Über das heutige Fernsehen sagt er, dass das Angebot größer geworden sei, es aber doch nicht mehr Talente gäbe als früher – eine Tatsache, die man jeden Tag beobachten kann. Nach 90 Minuten haben dann alle Beteiligten – Schmidt, Heidenreich, die Zuschauer – unfassbar schlechte Laune, weil man das Gefühl nicht los wird, dass das Fernsehen eine Katastrophe war, ist und bleibt – von einigen Ausnahmen abgesehen.

Vielleicht lag das Scheitern dieser Sendung auch schlicht daran, dass Harald Schmidt mit den Temperaturen im „Kom(m)ödchen“, wo die Sendung im vergangenen November aufgezeichnet wurde, nicht zurechtkam. Sein eigenes Studio lässt er auf 17 Grad herunterkühlen, er braucht die Kälte, wenn andere frieren, fühlt er sich wohl. Im „Kom(m)ödchen“ war es augenscheinlich heiß, Schmidt schwitzte, das Wasser lief ihm womöglich in die Augen. Vielleicht war das nur ein Trick, damit der Zuschauer die Tränen nicht sah, die er ob der Fehlleistungen weinte. Manche Menschen Kollegen nennen zu müssen, ist dem Mann eine Qual. Und das sah man ihm und der Sendung auch an.

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