Medien : Herrliches Hartz-Geschrei

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Herr Hahne, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Geärgert habe ich mich nicht über, sondern mit den ARDKollegen über deren Quoten-Desaster beim Doku-Drama über die „Zahnpasta-Affäre“ von Dieter Baumann. Zur besten Sendezeit am vergangenen Mittwoch ausgestrahlt, und kaum jemand wollte sehen, was vor vier Jahren noch die Nation erregte. Mich ärgert, wie rasant wir vergessen, wie rasend schnell neue Themen gesetzt werden. Ein hoher Preis unserer Zuschauer-, Spaß- und Erregungsdemokratie. Es muss erst ein entferntes rundes Jubiläum kommen, wie beim 17. Juni und beim 20. Juli, damit Geschichte wieder Quote bringt. Schade.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Gefreut habe ich mich, dass endlich Sommer ist und man mal ganz gut ohne Fernsehen auskommen kann. Grillen statt Glotze, Sternenhimmel statt Flimmerkiste. Bestes Programm in diesen Tagen: Die Nachrichtensendungen, die jenseits des befürchteten Sommerlochs ein herrlich-unterhaltsames Sommertheater bieten. Was ist schon Bayreuth gegen bayerische Unions-Querschüsse, was die Heimatmelodie gegen Hartz-Geschrei... Weiter so, liebe Politiker, und der Sommer ist gerettet!

Peter Hahne, 51,

moderiert „Berlin direkt“ und ist stellvertretender Leiter des Hauptstadtstudios des ZDF.

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