Medien : Herzblatt Lewinsky

Wie sich Bill Clintons Ex-Praktikantin als Moderatorin schlug

Malte Lehming

Etwas pummelig ist sie immer noch, trägt ein schwarzes Kleid und einen silbernen Schal, viel zu reden hat sie nicht. „Die Maskerade soll beginnen“, ist ihr längster Satz an dem Abend. Ansonsten beschränkt sich ihre Rolle auf einfache Hilfsdienste wie Punkte notieren oder Spielregeln erklären. Aber das ist egal. Es reicht, wenn sie ab und zu im Bild ist, lächelt, verschwindet, wieder auftaucht. Denn sie ist nicht irgendjemand. Sie hat Geschichte geschrieben. Sie hat ein Verhältnis mit dem mächtigsten Mann der Welt gehabt, dem US-Präsidenten, der daraufhin ein Amtsenthebungsverfahren über sich hat ergehen lassen müssen. Sie ist Monica Lewinsky, ehemals Praktikantin im Weißen Haus.

Am Montagabend hatte die 29- jährige Frau ihren ersten professionellen Fernsehauftritt – in einer neuen Reality-TV-Serie, die der radikalpopulistische Murdoch-Sender „Fox“ ausstrahlt. Lewinsky sei die Gastgeberin dieser Serie, hatte es zuvor geheißen. Doch das war stark übertrieben. Eher spielt sie eine Art Hostess.

„Mr. Personality“ ist eine verschärfte Form der ARD-Kuppelshow „Herzblatt“. Eine junge Frau – die 26-jährige, rothaarige Hayley aus Atlanta – muss unter zwanzig Männern den richtigen finden. Der Witz daran: Die Männer tragen alle eine Art Batman-Maske. Sie tanzen mit Maske, küssen mit Maske, sitzen im Whirlpool mit Maske. Außerdem dürfen sie Hayley weder ihr genaues Alter verraten, noch ihren Beruf und ihr Einkommen. Nur der Zuschauer wird informiert. Er ist der Allwissende, dem sein Wissen freilich nichts nützt, weil er ja nicht in das Geschehen eingreifen kann.

Einem Mann nach dem anderen gibt Hayley den Laufpass, bis am Ende ein einziger übrig bleibt. Das Ganze ist auf eine entsetzlich banale Weise unterhaltend, wobei die Anklänge an Bat-, Spider- und Superman durchaus gewollt sind. In Spielform umgesetzt wird die mythenbeladene Liebe zu jenem geheimnisvollen, anonymen Fremden, bei dem allein Stärke, Tugend und Charakter zählen, nicht aber das Aussehen. Dessen Gesicht wird erst dann enthüllt, wenn sich die Gefühle für ihn entwickelt haben.

Und Monica Lewinsky? Von der Weltgeschichte ins Rampenlicht gestoßen worden zu sein, kann als Schaden offenbar einen fast verzweifelt anmutenden Geltungsdrang bewirken. Nach der Präsidentenaffäre hat sie sich über das Interesse der Medien an ihrer Person bitter beschwert und den Schutz ihrer Privatsphäre verlangt. Jetzt giert sie derart massiv nach Aufmerksamkeit, dass sie freiwillig jene Restscham opfert, die sie noch vor dem endgültigen Absturz in die Annalen der Peinlichkeiten hätte bewahren können.

Es hat nicht sollen sein. Gut möglich, dass „Fox“ mit ihrem Engagement sogar eine Intrige geplant hat: Je unsäglicher der Sender Monica Lewinsky präsentiert, je offenkundiger er sie dem allgemeinen Gespött aussetzt, desto erbärmlicher steht selbst im Nachhinein Bill Clinton da.

Eine Affäre vertuschen zu wollen, lässt sich mit einigem Wohlwollen als Kavaliersdelikt interpretieren. Aber eine Affäre mit dieser Frau?

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