Medien : "Herzrasen": Verliebt und kriminell

Thomas Gehringer

Ob es auf der schiefen Bahn abwärts oder aufwärts geht, kommt sehr auf die Perspektive an. Der junge Marco zum Beispiel hat in seinem Versteck ein dickes Bündel Geldscheine gesammelt und denkt gar nicht daran, einer anderen Beschäftigung als dem Stehlen nachzugehen. Das ändert sich auch nicht, als er erwischt wird. "Na und?" brüllt er die Richterin im ARD-Fernsehfilm "Herzrasen" (20 Uhr 15) trotzig an, als die ihm das Unrecht vorhält und ihn schließlich zur Zwangsuntersuchung in die Psychiatrie einweist. Die einzige, die zu ihm steht, ist Isa. Der war er in einer Disco begegnet und hatte sie aus alter Gewohnheit beklaut. Trotz dieses sonderbaren Annäherungsversuchs ist Isa von dem Draufgänger fasziniert - schon bahnt sich eine "Bonnie & Clyde"-Version an, diesmal besetzt mit Heranwachsenden.

In dem Film beeindrucken vor allem die Berliner Schauspiel-Talente Antonio Wannek (21) und Lena Lauzemis (18), die dem ruhelosen, ständig aggressiven Marco und der entschlossenen Isa eine überzeugende Statur verleihen.

Autor Franz Liersch und Regisseur Hanno Brühl verweigern konsequent jeden moralischen Appell. So hat man sich auch gegen ein dramatisches Ende entschieden, bei dem Marco von der Polizei erschossen werden sollte. Stattdessen feiern die Jung-Gangster sogar "einen Moment des Glücks. Das ist ihnen doch zu gönnen", findet Hanno Brühl.

Von einer anspruchsvollen Filmstudie des jugendlichen Kriminellen-Milieus ist "Herzrasen" jedoch weit entfernt. Brühl und Liersch haben in ihrer dritten gemeinsamen Arbeit mehr noch als in ihren früheren Werken ("Ausgerastet", 1997, und "Hin und weg", 1999) einen Unterhaltungsfilm abgeliefert - einen spannungsreichen Liebeskrimi, bei dem auch mal ein Motorrad durch ein geschlossenes Fenster rasen darf. Laiendarsteller, wie sie Brühl der Authentizität wegen einmal engagiert hatte, sind übrigens nicht mehr zu finden. Es hat dem Film nicht geschadet.

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