Medien : Hesse, Kafka & 39,90

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Die romantischen Fantasien des Schriftstellers Hesse sind heute ein wenig außer Kurs geraten. Seit Steppenwölfe durch jedes zweite Werbevideo tapern, fällt es schwer, sich noch naiv zu begeistern. Trotzdem begeht die gebildete Welt nun mit großem Aufwand Hermann Hesses 125. Geburtstag. Schließlich hat der Mann gleich mehrere Generationen mit farbenfrohen Metaphern für persönliches Glück und individuelle Verzweiflung ausgestattet. Auch im Kulturradio ist Hesse auf allen Wellenlängen präsent. Wir empfehlen das Feature „Ach, mich zu lieben bringt Zwiespalt und Bedrängnis“. Autorin Margrit Irgang erzählt von Hesse und den Frauen. Eine lange, verworrene Geschichte, wie schon der Titel ahnen lässt. Drei gescheiterte Ehen, seltsame Frauenfantasien in den Werken, ein lebenslanges Wechselspiel von Bindungs- und Ausbruchssehnsüchten. Der Schlüssel dazu liegt vielleicht bei Marie Hesse, der komplizierten Mutter, die ihren noch komplizierteren Sohn nie wirklich verstanden hat (Radio Kultur, 23. Juni, 14 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Noch viel mehr zum Thema bietet eine „Lange Nacht“ beim Deutschlandradio.

Auch Joachim Scholl hat einen dieser typischen Hesse-Seufzer als Titel seiner Sendung gewählt: „Ich war ein Suchender und bin es noch“. Scholl diskutiert mit Experten über die Aktualität des Dichters. Finden wir nur noch abgelebte Rollenmodelle, für immer verblasste Bilder, eine endgültig überwundene Naivität? (Deutschlandradio, 28. Juni, ab 23 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Ein Zeitgenosse Hesses, und doch kein Seelenverwandter, war der Schriftsteller Kafka. In „Kafkas Zoo“ führt uns ein schönes Feature von Robert Schurz. An vielen Stellen in Kafkas Werk tauchen merkwürdige Tiere auf. Singende Mäuse, forschende Hunde, schreibende Affen. Es sind nicht die üblichen symbolischen Kreaturen, die dem Menschen einen Spiegel vorhalten sollen. Bei Kafka, so Autor Schurz, geht es tatsächlich um Tiere. Um die Herrschaftsgesten, mit denen der Mensch die Kreatur neben sich demütigt, benutzt und schließlich zerstört (Deutschlandradio, 27. Juni, 0 Uhr 05).

Ein literarischer Bestseller war vor Jahresfrist der Roman „Neununddreißig neunzig“ von Frédéric Beigbeder. Autor und Ich-Erzähler sind beide desertierte Helden der Werbebranche. Ehemalige Fachleute des schönen Scheins, die nun die Praktiken ihres Berufsstandes gnadenlos sezieren. Man liest es mit fasziniertem Grausen. Wer bisher den opulenten Anschaffungspreis gescheut hat, kann sich nun via Hörspielfassung mit Beigbeders Enthüllungen bekannt machen (SWR 2, 23. Juni, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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