Hessischer Rundfunk : Spätes Lob für Emig

Der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, muss sich derzeit wegen Untreue, Betrug und Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Sein früherer Intendant Klaus Berg fand im Prozess dennoch lobende Worte für ihn.

Kurt Sagatz

Das Geschäftsgebaren des ehemaligen Sportchefs des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig, ging in der Zeit von 2001 bis 2002 offenbar größtenteils an der Intendanz des ARD-Senders vorbei. Wie der ehemalige Intendant des HR, Klaus Berg, am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt aussagte, sei ihm die von Emig verdeckt mitgegründete Strohfirma zum Eintreiben von Sponsorengeldern nicht bekannt gewesen. Er habe sich nie damit befasst, ob für die Kostenzuschüsse für Sportübertragungen eine Agentur eingeschaltet worden sei, sagte der mittlerweile 70-jährige Berg, der sich selbst als absolut sportdesinteressiert bezeichnet.

Jürgen Emig ist unter anderem wegen Bestechlichkeit, Betrug und Untreue angeklagt. Er soll in den Jahren 2001 bis 2004 über die Firma SMP über eine halbe Million Euro an Schmiergeldern und durch Schleichwerbung kassiert haben.

„An mich sind keine Bedenken herangetragen worden“, sagte Berg vor dem Gericht. Zudem habe er auch keine Hinweise erhalten, dass es in den Sportsendungen des Hessischen Rundfunks Product-Placement gegeben habe. Dass offizielle Sponsoren mit ihren Logos auf Werbetafeln zu sehen sind, sei für ihn völlig zulässig.

Dagegen fand Berg durchaus lobende Worte für seinen ehemaligen Sportchef, den er als innovativ und einfallsreich beschrieb. Emig sei „ein sehr aktiver Sportreporter und Sportchef gewesen“, so Berg. Allerdings, so räumte der Vorgänger von Helmut Reitze ein, habe Emig immer mit Etatproblemen zu kämpfen gehabt. Um die Sportübertragungen zu finanzieren, für die der Regeletat nicht ausreichte, habe Emig zusätzliche Gelder beschafft. In diesem Zusammenhang verteidigte Berg sowohl die Praxis, dass Sportveranstalter über sogenannte Beistellungen einen Teil der Übertragungskosten bezahlten, als auch den Umstand, dass HR-Redaktionsleiter selbst Kontakte zu Sponsoren hergestellt haben.

„Beistellungen sind seit Jahrzehnten üblich und zulässig, sie sind keine Erfindung von Herrn Emig“, sagte Berg. Diese Zahlungen an die TV-Sender seien „eine wirtschaftlich sinnvolle Sache“, weil sonst allein der Sportveranstalter vom Mehrwert profitiere, der durch eine Fernsehveranstaltung geschaffen werde. Er selbst habe nie die Verträge über Beistellungen unterzeichnet oder deren Gestaltung geprüft, sagte der Ex-Intendant.

Bergs Amtsnachfolger Helmut Reitze hatte von 2003 an mehrere interne Revisionen zum Fall Emig eingleietet. Im Frühjahr 2004 trat Emig dann auf Druck der Senderleitung als HR-Sportchef zurück. Nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen 2005 war der Journalist vom Sender fristlos entlassen worden. Mitangeklagt ist der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Tanzsportbundes Harald Frahm, mit dem Emig die Firma SMP gegründet hatte. Kurt Sagatz

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