Hessischer Rundfunk : Zwei Jahre Haft für Ex-Sportchef Emig

Das Frankfurter Landgericht hat den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, wegen Korruption zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Vorwurf: Untreue und Bestechlichkeit. Auch der Hessische Rundfunk ist beim Gericht in die Kritik geraten.

Anne-Katrin Einfeldt[dpa]
Jürgen Ebig
Urteil im Korruptionsprozess gegen Jürgen Emig -Foto: dpa

Frankfurt/MainDas Urteil war ein harter Schlag für Jürgen Emig: Zwei Jahre und acht Monate Haft wegen Korruption verhängte das Frankfurter Landgericht am Donnerstag gegen den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr). Emigs Arbeitgeber kam aber ebenfalls nicht ungeschoren davon. Die Kammer sparte nicht mit Kritik an den Kontrollmechanismen des hr. Emig sei nie gezwungen worden, für die Übertragung von Sportsendungen Drittmittel anzuwerben. Gleichwohl habe man dies beim Sender gern gesehen, sagte der Vorsitzende Richter Christopher Erhard. "Es ist Herrn Emig schon zu leicht gemacht worden", bemängelte er.

Dass Emig Sponsorenverträge über die Agentur SMP schloss, an der er selbst verdeckt beteiligt war, war den Vorgesetzten nach Ansicht des Gerichts bewusst. Dass Emig damit jährlich so viel verdiente, wie sein Jahresgehalt ausmachte, wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vorgerechnet hatte, war den Chefs aber nicht klar. Ein "System hr", von dem in den Medien oft die Rede war, habe das Gericht nicht gefunden.

Richter: Emig hat Lücken für dreistes Vorgehen genutzt

Vielmehr hatte Emig viele Freiräume, die er kräftig nutzte. Wenn jemand eine Million Euro im Jahr beibringt, hat er ein "gutes "Standing" bei den Vorgesetzten", wie der Richter anmerkte. Die sogenannten Beistellungen für die Finanzierung von Übertragungen bei Randsportarten seien klares Sponsoring. Das habe der hr aus Sicht des Gerichts nicht rechtmäßig gehandhabt. Andererseits gestanden die Richter dem Sender auch zu, dass er einen "relevanten Schaden" erlitten habe, selbst wenn er an Emig viel verdient habe.

"Das war natürlich keine schwarze Kasse des hr, sondern nur die schwarze Kasse von Herrn Emig selber", urteilten die Richter und bescheinigten ihm eine erhebliche kriminelle Energie und ein "dreistes Vorgehen".

HR hat Kontrollen aufgerüstet

Emig nahm all diese Vorwürfe äußerlich ungerührt entgegen. In seinem dunklen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte wirkte er an diesem letzten Verhandlungstag deutlich verkrampfter als an den übrigen Prozesstagen des fast zweimonatigen Verfahrens. Der Gang ins Gefängnis wird ihm nicht erspart bleiben, auch wenn die Richter wegen der langen Verfahrensdauer seit Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen fünf Monate bereits als vollstreckt angesehen haben. Das Gefängnis kennt Emig schon. Im Jahr 2005 war er sieben Wochen in Untersuchungshaft.

Der Intendant des hr, Helmut Reitze, wollte die Kritik an den fehlenden Kontrollmechanismen im Sender nicht unkommentiert lassen. Aus den Vorfällen seien längst Konsequenzen gezogen worden, teilte Reitze nach dem Urteil mit und wiederholte, was er selbst als Zeuge vor Gericht gesagt hatte. So gebe es seit 2004 keine Beistellungen zur Finanzierung von Sportsendungen mehr, auch wenn sie aus seiner Sicht rechtlich einwandfrei sind. Außerdem nähmen Wirtschaftsprüfer seit 2005 sämtliche Buchungsvorgänge beim Sender unter die Lupe - und zwar bisher ohne Auffälligkeiten. Diese Kontrollen hatten allerdings erst eingesetzt, nachdem der Fall Emig aufgedeckt war.

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