Medien : "heute": Lückenschluss

Joachim Huber

Bisher fehlte es am Lücken-Bewusstsein. Mit dem letzten Stand der Nachrichten-Dinge gingen Menschen schlafen, um sich morgens auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Dazwischen passierte dies und das oder gar nichts. Die Welt drehte sich weiter, und sie drehten sich im Bett. In diese Traumseligkeit hinein platzt das ZDF. Ab Montag schließt der Fernsehsender die "Nachtlücke" bei seinen Nachrichtensendungen, "heute" zieht sich dann 24 Stunden durchs Programm. Nie wieder wandelt der Somnambule ahnungslos durch die ZDF-Nacht. Der Slogan "Mit dem Zweiten schläft man besser" ist grandios dementiert. "Die Zuschauer können sich jetzt rund um die Uhr und überall auf die ZDF-Nachrichten verlassen", sagt Chefredakteur Helmut Reitze. Wenn der Mann mit der Fliege das sagt, ist das absolut beruhigend, mindestens so beruhigend wie das übrige ZDF-Programm.

Die ewig Müden werden maulen. Wir wollen unsere Lücke wieder haben, werden sie gähnen, wir brauchen unsere News-Pause, damit wir die eben erst aufgenommene Nachricht verdauen können. Indiskutable Haltung. Im Newsroom auf dem Lerchenberg füllen Redakteure - "live", wie das ZDF betont - die Nachtlücke, und anderswo sind sich die Menschen selbst zum Lückenbüßen zu schade. Das Fernsehen aber verlangt den lückenlosen Programm-Konsumenten. Also, Zuschauer, aufgewacht, eingeschaltet. Gebt Euch "heute" im Stundentakt. Wenn Ihr durch diese letzte Lücke kommt, dann seid Ihr da, wo das ZDF längst schon ist - beim Wahn, die permanente Nachricht sei die wichtigste.

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