Heute Show und Reichstag : Oliver Welke, bitte beenden Sie die Belagerung

Zum zweiten Mal beschäftigte sich die "heute show" damit, dass die Bundestagsverwaltung ihr eine Akkreditierung verweigerte. Jetzt reicht es dann auch wieder.

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Oliver Welke will in den Bundestag. Oder zumindest seine Reporter von der "heute show".
Oliver Welke will in den Bundestag. Oder zumindest seine Reporter von der "heute show".Foto: Guido Engels, ZDF

Diesmal also Carsten van Ryssen. Der Außenreporter der "heute show" forderte von den Pförtnern des Reichstags vergeblich Einlass, was in der Vorwoche sein Kollege Ralf Kabelka bereits tat. Erstaunlich ist, wie ähnlich die beiden Beiträge gebaut waren. So als folgte Oliver Welkes Redaktion einem in einem Handbuch für Satiresendungen festgeschriebenen Ablaufplan: Was zu tun ist, wenn es einem Bürokraten unterläuft, sich der Sendung selbst gegenüber autoritär zu gebärden.

Dass dies ein Glücksfall ist, wissen Satiriker spätestens seitdem sich der Bayerische Rundfunk in den 80ern aus dem ARD-Programm ausgeblendet hatte, um eine "Scheibenwischer"-Sendung im Freistaat nicht zeigen zu müssen. Dieter Hildebrandts Nimbus speiste sich noch Jahrzehnte später daraus, dass er das Establishment als derart humorlos entlarvt hatte. Diesmal lieferte der Pressesprecher des Bundestages die Steilvorlage, indem er einem „heute show“-Team eine Akkreditierung fürs Parlament verwehrte. Ralf Kabelka machte einen Beitrag draus, der, wie zu erwarten war, eine mittlere Aufregung auslöste. In der gestrigen Sendung sollte der PR-Coup nun weiter befeuert werden.

Oliver Welke schaltete also wieder vor den Reichstag. Zu Carsten van Ryssen, der - wie Kabelka in der Woche zuvor - mit gezücktem Mikrophon auf jeden Sicherheitsmann los stürmte, den er entdecken konnten. Van Ryssen trug eine Schlumpf-Mütze auf dem Kopf und sagte Sachen wie: "Ich halte die Luft an, bis Sie mich reinlassen". In einer Einstellung saß er auf der Reichstagswiese neben einem Camping-Zelt, das er dort aufgeschlagen hatte. Natürlich kamen bald Polizisten, die ihn aufforderten, es abzubauen. Was sollen sie auch machen? Schließlich sang er noch zusammen mit einem Straßenmusikanten in Anlehnung an Marius Müller-Westernhagen: "Pressefreiheit, ist das einzige, was fehlt". Van Ryssen machte aus dem Ganzen eine Clownsnummer.

Claus Weselsky redet sich um Kopf und Kragen

Was sonst noch geschah in der gestrigen Sendung: Lokführer-Gewerkschaftler Claus Weselsky wurde gezeigt, wie er sich um Kopf und Kragen redet, und Angela Merkel, wie sie beim IT-Gipfel den Faden verliert. Das übliche unterhaltsame Schnipsel-Potpourri, in dem die Bruchstellen des sonst glatten Politbetriebs aufscheinen. Hoffentlich schickt Welke in der kommenden Woche nicht den nächsten los zur Reichstag-Belagerung. Die Berichte in eigener Sache sind zu erwartbar gestrickt, und damit unoriginell.

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