Medien : „Hier ist Bundesliga“

Radio Energy will in Berlin-Brandenburg gewinnen. Ein Gespräch über Lizenzen, Prozesse und Plagiate

Martin Liss (links) ist Geschäftsführer von Radio Energy Berlin. Norbert Seuss Direktor für Sonderaufgaben bei der Radio NRJ Group.
Martin Liss (links) ist Geschäftsführer von Radio Energy Berlin. Norbert Seuss Direktor für Sonderaufgaben bei der Radio NRJ...

Herr Liss, was unterscheidet Energy Réunion von Energy Berlin?

LISS: Der tägliche Wetterbericht. Und so manch andere regionale Besonderheit, die wir in all unseren Programmen hoffentlich immer knackig, kreativ und aktuell thematisieren. Testen Sie unsere Morgensendung, das ist ja im Radio bekanntlich die Prime Time: Energy Berlin klingt sehr nach Berlin. Und ohne dass ich schon mal da gewesen wäre, vermute ich, dass die Kollegen im Indischen Ozean eben danach klingen.

Die Radiomarke Energy ist global unterwegs. Was lässt sich daraus für den deutschen Markt lernen – und umgekehrt?

SEUSS: Jeder Markt ist anders, auch innerhalb der Bundesrepublik. Aber für gute Ideen gibt es keine Grenzen. Unser Event „Energy in the park“ ist eine skandinavische Erfindung. Unser Morningshow-Konzept haben wir in Berlin entwickelt. In Dänemark verkauft sich Radiowerbung ganz anders als im Libanon. Die Deutschen sind tatsächlich sehr gute Organisierer und disziplinierte, fleißige Arbeiter. Umgekehrt tut uns der unkonventionellere Ansatz, die etwas unverkrampftere Denke von außen sehr gut.

Wie stellt sich für Sie die Hörfunkszene in Berlin und Brandenburg dar?

LISS: Diese Region ist und bleibt die Bundesliga des deutschen Radiomarktes. Jeder Profi will sich hier beweisen. Die Zeiten des absurden sogenannten „Radiokriegs“ aus den 90er Jahren sind Gott sei Dank vorbei. Programmliche Qualität schlägt das Marketing-Geschrei, und bald wird auch der Letzte verstanden haben, dass man Hörer nicht allein mit Wahnsinns-Gewinnspielen langfristig für sich begeistern kann. Der Markt ist durchaus differenzierter geworden.

Radio Paradiso wurde vom Medienrat die Lizenz entzogen und vom Verwaltungsgericht zurückgegeben. Was folgt daraus?

LISS: Dass es unangenehm, aber letzten Endes zielführend sein kann, sich mit der Aufsichtsbehörde von Fall zu Fall auch einmal juristisch auseinanderzusetzen.

Nun gilt im Medienstaatsvertrag Berlin-Brandenburg, dass nach der zweiten Lizenzperiode eines Senders dessen UKW-Frequenz unbedingt wieder ausgeschrieben wird. Geht das in Ordnung?

LISS: Ich finde nicht. Das ist eine künstliche Verschärfung der an sich schon knackigen Marktbedingungen. Natürlich ändern sich Gegebenheiten innerhalb von zwei Lizenzperioden, das ist ja eine lange Zeit. Aber einmal lizenziert, wird man von der MABB als Programmveranstalter ja nicht alleingelassen, sondern die Medienanstalt begleitet die Entwicklung des lizenzierten Programms. Und wenn tatsächlich etwas gegen die Lizenzauflagen laufen sollte, hat die MABB ausreichende Möglichkeiten des Eingriffs und der Korrektur. Die Laufzeit von Lizenzen, sprich der Modus der Verlängerung, ist sicher ein Punkt, an dem wir uns eine Novellierung wünschen.

Den Substanzverlust durch Kosten- und Personalabbau haben die Privatradios aber allein zu verantworten, oder?

SEUSS: Energy hat bis 2007 dafür die Quittung erhalten und diese schlimme Entwicklung gestoppt. Insbesondere in Berlin, aber auch an allen unseren Standorten in Deutschland haben wir in den letzten drei Jahren neue Stellen in der Redaktion geschaffen. Der Gewinn an inhaltlicher und unterhalterischer Qualität ist hörbar und an Quotenerfolgen messbar. Nur wer lieber seinen Klischees nachhängt, als sich mit der Realität zu beschäftigen, kann uns Substanzlosigkeit unterstellen.

Ach ja? Bei den Privatradios wird doch lieber voneinander geklaut als selbst kreativ zu sein.

LISS: Ach Quatsch, noch so ein Klischee. Klar höre ich auch unsere Ideen ab und zu mal beim Mitbewerber. Aber was für den einen passt, muss für das andere Programm nicht gut sein. Wie langweilig wäre es, wenn alle „Das geheimnisvolle Geräusch“ spielen würden.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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