Medien : Hilfe, Harry Potter verliert die Stimme

Streit ums neue Hörbuch: Wird Sprecher Rufus Beck ersetzt?

Hannah Pilarczyk

Auch wenn Harry Potter im Buch mittlerweile Teenager ist, in Deutschland hat er die Stimme eines 46-Jährigen. Schauspieler Rufus Beck hat die vier bisher erschienenen Bände der Erfolgsserie für den Hörverlag als Hörbücher eingelesen. Es ist seine Stimme, mit der Zauberschüler Harry und seine Mitstreiter in den Köpfen der Fans sprechen.

Doch diese Stimme könnte bald verstummen: Vor drei Wochen verkündete der Hörverlag, dass die Verhandlungen mit Beck um die Vertonung des neuen Bandes „Harry Potter und der Orden des Phönix“ gescheitert seien. Aus Geldgründen, wie das „Börsenblatt Online“ spekulierte: Der Hörverlag habe Rufus Beck mit Honorar und Gewinnbeteiligung insgesamt eine sechsstellige Summe angeboten, doch der hätte mehr gewollt. Ein Schock für die Fan-Gemeinde.

„Eine Potter-Gemeinschaftswelt bricht zusammen“, schrieben Potterianer in Becks Internet-Gästebuch. Die Fans sind fasziniert von den tausend Stimmen von Rufus Beck. Jede Figur kriegt durch ihn ihren unverwechselbaren Klang. Trotz aller Begeisterung sorgten die Honorar-Gerüchte auch für Missstimmung. „Wo bitte ist Ihr Idealismus?“ fragten empörte Fans. Beck reagierte prompt: Am Geld habe es nicht gelegen. Der Verlag hat angeblich gefordert, dass er für keinen anderen Verlag weitere Potter-Bände einlesen darf. Eine prekäre Auflage, denn der Hörverlag besitzt nicht die Rechte für die geplanten letzten beiden Bände der Serie. Die Rechte werden für jeden Band einzeln von der Londoner Agentur von Autorin J. K. Rowling neu verhandelt. Würde ein anderer Verlag die Rechte für Band Sechs erstehen, wäre Beck demnach als Sprecher aus dem Rennen.

Ein Knebelvertrag also? Auch der Hörverlag handelte angesichts dieser Mutmaßungen schnell. Plötzlich kam man wieder mit Rufus Beck ins Gespräch: Ende kommender Woche soll nun die endgültige Entscheidung darüber fallen, ob es doch noch zu einer Zusammenarbeit kommt. Für den Hörverlag sind die Harry Potter-Hörbücher das Geschäft schlechthin. Wie die Bücher (15,5 Millionen verkaufte Exemplare allein in Deutschland) brechen die Audio-Fassungen alle Rekorde: Letztes Jahr gewann die Reihe als erstes Hörbuch überhaupt eine Platin-Schallplatte. Über 1,7 Millionen Mal haben sich die CDs und Kassetten bislang verkauft, mit Nummer Fünf könnte die zweite Million erreicht werden – allerdings nur, wenn sie von Rufus Beck gelesen wird.

Zahllose Fans haben schon angekündigt, andere Sprecher als Rufus Beck zu boykottieren. Beim Hörverlag sieht man solchen Drohungen gelassen entgegen. „Die Harry Potter-Hörbücher sind auch in anderen Ländern Kult. Der Erfolg hängt also nicht vom Sprecher ab“, sagt Pressechefin Heike Völker-Sieber. Die Zahlen sind auf ihrer Seite: In Großbritannien, der Heimat von Harry Potter, sind die Fans verrückt nach den Abenteuern auf CD. Schauspieler Stephen Fry, der in „Oscar Wilde“ die Titelrolle spielte, liest die britische Version. Er ist zurückhaltend im Vortrag, spricht mit einer, nicht mit tausend Stimmen. In Großbritannien ein riesiger Erfolg, in Deutschland unvorstellbar: „Die Leute lieben das Ein-Mann-Hörspiel von Rufus Beck“, sagt René Wagner vom Hörbuch-Internetforum „Hörothek“. Er geht davon aus, dass Beck doch den fünften Band lesen wird. Dann hätten die Harry Potter-Fans wieder ein Datum, auf das sie hinfiebern können: Im März 2004 soll das Hörbuch zum „Orden des Phönix" erscheinen.

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