Medien : Hinter den Kulissen

„Projekt Machtwechsel“ rechnet mit den Methoden von „New Labour“ ab

Thomas Gehringer

Ende der 90er Jahre ging in einigen europäischen Ländern die konservative Ära zu Ende, auch in Großbritannien, wo die Tories 18 Jahre an der Macht waren. „Stell dir vor, ich hatte noch nie Sex unter einer Labour- Regierung“, sagt Paul versonnen nach einem Liebesabend mit Maggie. Dies sei „absolut etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt“, antwortet seine junge Freundin in dem BBC/Arte-Fernsehspiel „Projekt Machtwechsel“. Der Kampf wird allerdings nicht immer sauber geführt. Mit dem im zweiten Teil langatmigen, dank glaubwürdiger Figuren dennoch spannenden Polit-Drama rechnen Regisseur Peter Kosminsky und Autor Leigh Jackson mit den Methoden von Tony Blairs Wahlkampfhelfern ab. Und nebenbei mit der „New Labour“-Politik selbst.

Paul (Matthew MacFadyen) und Maggie (Naomie Harris), einst Umweltaktivisten voller Idealismus, arbeiten für die Presseabteilung der Labour Party. Auf dem Weg zur Macht und auch nach Blairs Wahlsieg von 1997 bleiben allerdings manche ihrer Ideale auf der Strecke. Nach der Wahl sammelt er Informationen über die neuen Abgeordneten der eigenen Partei, um frühzeitig Druckmittel gegen Abweichler in die Hand zu bekommen. Eine davon ist Maggie, die den Wahlkreis in ihrem Heimatort gewann.

Kosminsky und Jackson zeigen, warum sich viele Menschen nicht mehr für Politik interessieren. Doch ihr Film stimmt nicht nur die alte Leier vom „schmutzigen Geschäft“ an, sondern bietet konkrete Kritik: 120 Personen aus dem Kreis der Blair-Wahlhelfer wurden interviewt. „Aus diesen Informationen bauten wir unsere fiktiven Gestalten auf“, sagt Kosminsky.

„Projekt Machtwechsel“, Arte, ab 20 Uhr 45

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