Medien : Hirn und Schmalz

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Zu den ästhetischen Vorzügen des Hörspiels gehört seine Schwerelosigkeit im Raum. Blitzschnell können Interieur und Landschaft wechsel. Eben noch heulte Wüstenwind, jetzt klirrt feines Porzellan im Hintergrund. Die Fantasie benötigt nur einen akustischen Fingerzeig. Gern entführen uns Hörspielmacher direkt in die Köpfe ihrer Figuren. Der innere Monolog erzählt von nie gesagten Worten und bloß erträumten Handlungen. Man kann diesen Weg ins Kopfinnere noch weiter gehen. Dann sind nicht mehr Worte oder Sätze zu hören, sondern elektrische Musik. HirnTechno. Neuronen-Beat. In Zusammenarbeit mit einem Hirnforscher hat der Komponist Julian Klein eine Apparatur entwickelt, die die elektrische Aktivität unseres Gehirns direkt in Klänge übersetzt. EEG und Synthesizer sind parallel geschaltet. Wir hören, wie das Hirn denkt. „Brain study“ heißt Kleins Radiostück. Nachdem der Mensch sein Hirn als symbolische Maschine erforscht hat, kann er es nun als Musikproduzenten belauschen (Deutschlandradio, 20. Dezember, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Bleiben wir noch ein wenig im Inneren des Kopfes. Beim berühmten Tucholsky muss es da ziemlich turbulent zugegangen sein. Schließlich lebte der Mann mit etlichen Pseudonymen, die alle publizistisch tätig waren. Wrobel schrieb Kinokritiken, und Panter war Drehbuchautor. Tiger machte satirische Politik in der „Weltbühne“. Im Hörspiel „Seifenblasen oder Wie Kurt Tucholsky ein Drehbuch schrieb“ inszeniert Christa Maerker nun den Aufstand der Pseudonyme gegen ihren Meister. Panter und Wrobel beschließen, ihre eigenen Wege zu gehen. Als Erstes stellen sie fest, dass sie unvereinbare Identitäten besitzen. Dann tauchen Figuren aus einem Drehbuch von Tucholsky alias Panter auf. Eine Frau etwa, die sich als Mann ausgibt, um im Varieté als Damenimitator aufzutreten. Klar, dass Tucholsky bald mit Kopfschmerzen zu Boden geht (Deutschlandradio Berlin, 20. Dezember, 19 Uhr 05).

Vom Kopfinneren direkt in die Küchen dieser Welt. In die armen Küchen, um genauer zu sein. „Cucina Povera – Poor Kitchen – Biedna Kuchina“ heißt ein schönes Feature von Nathalie Singer. Erinnerung an eine Gegenwelt zu unserem alltäglichen Nahrungsmittel-Überfluss. Dass die armen Küchen keineswegs reizlos sind, weiß jeder, der in Polen oder Sizilien einmal mit Bauern geschmaust hat. Nathalie Singer hat Erinnerungen an die armen Küchen Europas gesammelt, wie sie im frühen 20. Jahrhundert überall brodelten. Aqua Sale, Sauerteigsuppe, Grammelknödel. Jede Menge aufregende Gerichte, die den Gaumen erfreuen und den Cholesterinspiegel nicht in Bedrängnis bringen (Deutschlandradio, 18. Dezember, 19 Uhr 05).

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