Medien : Hirntiere

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Reden wir mal wieder über die menschliche Natur. Einerseits das Produkt äußerer Umstände. Andererseits geheimnisvolle Konstante im Inneren des Menschen. Außenreize, die immer auf gleiche Art beantwortet werden. Der Mai beispielsweise. Jedes Jahr aufs Neue werden im Mai die Hirntiere sinnlich, es jubiliert und seufzt unterm freien Himmel, mancher opfert den letzten Rest Verstand fürs bloße Triebleben. So ist eben die menschliche Natur, sagt dann der Volksmund.

Auch das Kulturradio kommt nicht an diesen jahreszeitlichen Fakten vorbei. Gleich zwei Sendungen beschäftigen sich nun ausführlich mit dem Thema Heiraten. Der bürgerlich gezähmten Variante eines frühlingshaften Trieblebens, gewissermaßen. „Da hängt der Himmel voller Geigen“ ist der furchtlos verkitschte Titel einer „Langen Nacht“ im Deutschlandradio. Authentische Berichte von Paaren, die es gewagt haben. Ein langer Reigen der Erzählungen über zeitgenössische Hochzeitswesen. Einerseits radikale Entbürokratisierung, andererseits Träume vom ewigen Glück, die keine Erfahrung trüben kann. Obwohl dann doch immer mehr Paare einen Ehevertrag abschließen, der im Moment der Bindung die monetären Modalitäten einer Trennung regelt (17. Mai, ab 23 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Eine Vertiefung des Themas ins Literarische und Historische liefert das Feature „Mein heißer Wunsch, die schöne Hand fürs Leben zu gewinnen“. Barbara Sichtermann und Joachim Scholl haben sich durch die Literatur der Moderne gelesen, auf der Suche nach jenen Szenen, in denen Männer Frauen einen Heiratsantrag machen. Die Kulturgeschichte des Heiratsantrags als Spiegel einer bürgerlichen Sozial- und Mentalitätsgeschichte. Bevor der Heiratsantrag zur romantischen Privatangelegenheit wurde, war er lange Zeit ein Ereignis von öffentlicher Dramatik. Ein Schicksals-Augenblick mit Langzeitfolgen (Deutschlandradio Berlin, 14. Mai, 19 Uhr 05).

Wie es ist, wenn man die menschliche Natur einfach in die Schraubzwinge steckt und nach Herzenslust auf ihr herumpresst, haben die Diktatoren des 20. Jahrhunderts umfassend vorgeführt. In Stalins russischem Machtbereich sollte sich die gesamte Natur dem Willen des Großen Führers beugen. Das Feature „Wir lenken den Lauf der Wolga, wir zähmen den Don“ erzählt von Flüssen, die rückwärts fließen, künstlichen Meeren und blühenden Wüsten. Große Schlachten gegen die Natur, die unverzüglich in Naturkatastrophen mündeten (Deutschlandradio Berlin, 16. Mai, 19 Uhr 05).

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