Medien : Hitler und die Frauen: Zwei sehr verschiedene Dokumentationen im Bayerischen Fernsehen

Tina Angerer

Hitler und die Frauen - das bedeutet nicht nur Eva Braun und immerwährende Gerüchte über die Impotenz des Diktators. Das Thema hat viele Dimensionen: Junge Frauen, die der Privatmann Hitler umgarnte, viele Millionen Frauen, deren Leben durch BDM-Kult und Mutterkreuze geprägt war. Der Bayerische Rundfunk widmet sich dem Thema mit zwei Fernseh-Dokumentationen: "Hitler und die Frauen" (heute um 19 Uhr 30) erzählt von den persönlichen Bekanntschaften und Fördererinnen, der anschließende Beitrag "Die Frauen und Hitler" (20 Uhr 15) erzählt von denen, die ihre Jugend im Dritten Reich gelassen haben.

Es gab Zeiten, da buhlten mehrere ältere Damen um die Gunst des Adolf Hitler, beschenkten und begluckten den Mann, dem die Gepflogenheiten der feinen Gesellschaft noch fremd waren. Diese Damen förderten und bewunderten ihn. Gleichzeitig war er zu keiner echten Beziehung im Stande, niemals präsentierte er offiziell eine Frau an seiner Seite. Der damalige Diener, ein ehemaliger Telefonist und der Hausverwalter des Anwesens am Obersalzberg zeichnen als Zeitzeugen das Bild des Mannes Hitler, bindungsunfähig, aber nicht uncharmant. Hitler als Privatier, Charmeur und Bonvivant - ein schwieriges Unterfangen. "Der Film ist eine Gratwanderung. Er will Hitler weder banalisieren noch mystifizieren. Er war nicht der Satan persönlich", sagt BR-Redakteurin Ulrike Leutheusser.

Doch dieser Grat ist sehr schmal. Die Distanz der Zeitzeugen ist erschreckend gering, manche nennen ihn noch heute "Führer" oder "Chef". Und sie decken den Zuschauer ein mit netten Anekdoten. Sein Diener erzählt zum Beispiel mit seligem Blick, dass Hitler die Heizung bei Empfängen immer ein wenig höher drehen ließ, damit die Damen nicht am Dekolleté froren. Unklar ist aber, was uns das sagen soll. Die Grenze zur Banalisierung ist da schnell überschritten.

Wesentlich zielsicherer ist Autor Thomas Hauser beim zweiten Film des Themenabends. "Die Frauen und Hitler" ist eine sehr dichte Dokumentation von Frauenleben im Nationalsozialismus: Es kommen Frauen zu Wort, von der Mitläuferin bis zur Emigrantin: Zum Beispiel eine katholische Sozialarbeiterin, die behinderte Kinder vor dem Euthanasie-Tod rettete. Die Geschichten dieser Frauen sagen mehr über das nationalsozialistische Regime und ihren Führer aus als sämtliche Erzählungen von Butlern oder Hausverwaltern zusammen.

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