Medien : Hitze und Hitler

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Es ist eigentlich unmöglich, dass Dokumentarfilmer für ihre Arbeit nicht vor die Tür müssen. Doch diesmal konnten Julia Oelkers und Peter Scholl ihre Kameras im Foyer ihres eigenen Funkhauses aufbauen. Denn hier, im Haus des Rundfunks an der Berliner Masurenallee, wurde im Jahr 1935 das weltweit erste Fernsehprogramm gemacht. Sie brauchten nur in ihre Kantine gehen, die heute auf dem Dach des Funkhauses ist. Hier oben wurden die damaligen Radiostars ins Bild gesetzt; die Sendung hieß „Dachgarten“. Und in den RBBArchiven lagern bis heute die wackeligen Bilder des jungen Mediums: Bilder von Varieté-Tänzerinnen und Nazi-Größen. Oelkers und Scholl haben aus dem Material eine Art Lehrfilm gemacht, bei dem man sich wundert, wie wenig man über die frühen Jahre des Fernsehens weiß. So mussten die Reporter damals von Zeit zu Zeit sagen: „Wir bitten, die Störung zu entschuldigen, das Objektiv muss gewechselt werden.“ Dann wuchteten zwei Männer ein neues Objektiv in die Kamera. Es war Schwerstarbeit, ein Objektiv wog damals 50 Kilo. Um Fernsehspiele aufzuzeichnen, brauchte man so viele Lampen, dass sich die Studios auf 65 Grad aufheizten. Die Nazis bauten das Fernsehen aus, vereinnahmten es. Trotzdem favorisierten sie Radio und Film für ihre Propaganda. Nur auf der Leinwand wirkten ihre Inszenierungen. Im Fernsehkasten war Hitler ganz klein. nol

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