Medien : „Hm. Ähm.“

Wie die Moderatorin Maybrit Illner versuchte, eine harte Nuss zu knacken

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Der vergangene Freitagabend war der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres für Printjournalisten: die Verleihung des neu geschaffenen HenriNannen-Preises im Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg. Moderatorin war Maybrit Illner. Ein Star der Veranstaltung war der Berliner Bildhauer Rainer Fetting, dessen Statue von Willy Brandt bei fast jeder Pressekonferenz der SPD-Zentrale zu sehen ist. Nun hatte Fetting auch den Preis für diese Auszeichnung gestaltet: den wuchtigen Schädel des „Stern“-Gründers als Bronze. Fetting wurde von Illner auf der Bühne interviewt – ein historischer Moment, auch für die rund tausend geladenen Gäste.

Wir dokumentieren das Gespräch in voller Länge:

ILLNER: Herr Fetting, ich begrüße Sie: Hallo! Seit Ihre Willy-Brandt-Büste in der Parteizentrale steht, geht es den Sozialdemokraten dreckig. Sind Sie bereit, für diesen Zustand die Verantwortung zu übernehmen, und am besten die komplette, Herr Fetting?

FETTING: Hm.

Was sollen Sie dazu sagen, blöde Frage, oder? Aber die Büste ist sehr schön, und man schaut jetzt eben am Sonntag sicherlich auch auf diese tolle Willy-Brandt- Büste und weniger in das traurige Gesicht von Franz Müntefering?

Hm.

Ja? War es besonders schwer?

— … —

Wir wechseln lieber das Thema und fragen nach Henri Nannen. Friesischer Charakterschädel. War das besonders leicht zu formen oder besonders schwer zu formen?

Hm, ich hab’ das ja in einem Monat gemacht und – ähh …

… und heißt, ging eher schnell.

War nicht so schwer.

Ein Monat ist bei Ihnen eher schnell?

Ähm, na so eine Skulptur zu machen, das ist schon ok, das in einem Monat hinzukriegen.

So, dass wir mal ’ne Vorstellung davon haben. Sie haben, das fand ich interessant, von der optimistischen Kraft gesprochen, die in diesem Menschen drinsteckte. Das macht es eher einfach, ihn darzustellen?

Hm, das können wir uns fragen.

Ok, wir reden … Haben Sie ein Lieblingsthema? Wollen wir über Fußball reden oder über …

Ich komm’ mir hier vor, in dieser ganzen Inszenierung, wie ein Geist aus Gustav Gründgens „Faust“ im Schauspielhaus.

Wollen wir Ihnen sagen, dass er uns definitiv nicht vorkommt, wie ein Geist aus alten Tagen. Sie machen einen ziemlich frischen Eindruck, einen ziemlich untoten.

Ja, ich bin vorher noch mal, meine Nerven waren angegriffen vor so Sachen, war ich noch mal kurz in Mallorca.

Und? Eher so die Westseite, eher Hollywood oder Babelsberg?

Nee, so’n kleiner Fischerort, kurz vor Palmas.

Angeln Sie?

Sieht so ähnlich aus wie in Wilhemshaven, da aus der Stadt.

Deshalb reisen Sie durch die Welt, weil Sie immer Orte finden wollen wie Wilhelmshaven?

Ja, das Meer mag ich schon gern.

Darf ich Sie völlig indiskret fragen, wen Sie gerade bearbeiten, welche Figur der Zeitgeschichte? Oder verraten Sie so etwas nicht?

Ich war drei Monate in New York und …

Vor Mallorca?

Vor Mallorca, ja, im Winter, wo das auch in Berlin immer so grau ist. In New York allerdings auch, da ist trotzdem mehr Sonne.

Ok.

Und ich mach’ gerade Cops.

Ahh.

New York Cops.

Sehr toll, herzlichen Glückwunsch auch dazu. Wir freuen uns sehr, dass wir Sie heute Abend hier haben.

Ja, schön.

Sie bringen uns quasi in einen künstlerischen Rausch.

Schön für Sie.

Hätte ich es schöner sagen können? Nein. Herr Fetting, sehr toll, dass Sie da sind. Haben Sie noch ’nen schönen Abend. Ja. Vielen herzlichen Dank.

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