Hörerschwund bei Radio Eins : RBB-Programmchefin Nothelle: "Ein Boxenstopp steht an"

Nur für Erwachsene? RBB-Programmchefin Claudia Nothelle spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über Hörerverluste bei Radio Eins und die Konsequenzen.

Claudia Nothelle, Programmdirektorin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB).
Claudia Nothelle, Programmdirektorin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB).Foto: RBB

Kein anderer Sender in Berlin hat nach der aktuellen Media-Analyse im ersten Quartal des Jahres so viele Hörer verloren wie Radio Eins. Das Minus liegt bei über 30 Prozent. Warum wenden sich die Hörer von Radio Eins ab?

Anders als im Fernsehen erhalten wir die Quoten für das Radio nur zweimal im Jahr. Im Jahr 2010 hatte Radio Eins die besten Ergebnisse seit Bestehen des Programms. Auch unsere eigenen Untersuchungen in der Zwischenzeit haben uns keinen Anlass zur Sorge gegeben. Die Zahlen gestern haben uns überrascht – jetzt suchen wir nach den Ursachen. Auf jeden Fall steht jetzt ein gründlicher Boxenstopp für das Programm an: Was läuft gut? Was wollen wir aufpolieren? Und wo müssen wir erneuern?

Ist die Moderation zu arrogant und besserwisserisch geworden? Das schreiben Leser auf tagesspiegel.de.


Wir nehmen die Äußerungen Ihrer Leserinnen und Leser genau wie auch unserer Hörerinnen und Hörer sehr ernst. Dazu gehört auch die Frage, wie einzelne Moderatoren bewertet werden. Allerdings: Die erkennbare Persönlichkeit der Moderatoren auf Radio Eins ist ein wichtiger Bestandteil der Programmphilosophie. Es passt nicht zu Radio Eins, glatt gebügelte und wohlgefällige Moderatoren zu haben – Anecken gehört somit auch zum Profil.

Das Radio, das „Nur für Erwachsene“ senden will, scheint zu alt in der Ansprache.

Zu alt? Die Hörerinnen und Hörer von Radio Eins sind im Schnitt genau 40, damit liegt das Programm auf einer der interessantesten Positionen, die es auf dem Berlin-Brandenburger Radiomarkt gibt. Darum beneidet uns mancher Mitbewerber. „Nur für Erwachsene“ ist aus meiner Sicht die immer noch passende, leicht ironische Antwort auf übertriebenen Jugendwahn und kindische Albereien.

Wie wollen Sie dem Minus-Trend entgegensteuern?

Nachdem die Zahlen gerade einmal 24 Stunden auf meinem Tisch liegen, kann ich noch keine Lösung präsentieren. Zumal ich überzeugt davon bin: Trends im Radio sind langfristig. Vorschnelle Reaktionen schaden mehr, als dass sie nutzen.

Die Qualifikation des Radio-Eins-Programmchefs Florian Barckhausen ist umstritten, wie zu hören ist. Stehen personelle Konsequenzen an?

Florian Barckhausen – einer der profiliertesten Radiomacher in Berlin – ist seit sechs Jahren verantwortlich für Radio Eins. In die Zeit fällt auch der große Radio-Eins-Erfolg der vergangenen Media-Analysen. In den Jahren zuvor machte er mit der Gründung von 88.8 auf sich aufmerksam. Als Wellenchef und Kollegen schätzen wir ihn hoch. Er personifiziert die Mischung aus langjähriger Erfahrung einerseits und Unkonventionalität andererseits. Zu unserem Bedauern geht er in wenigen Wochen in den Ruhestand, so dass ein Wechsel bei Radio Eins bevorsteht.

Das Interview führte Sonja Pohlmann.

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