HÖRFUNK : Klub, Kultur, Multicult

Viele Bewerber für freie Radiofrequenzen in Berlin

Darius Ossami

Mit Spannung warten die freien Radiomacher in Berlin auf eine Entscheidung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Diese plant eine neue Verbundlösung für die beiden UKW-Hörfunkfrequenzen 88,4 MHz und 90,7 MHz zusammen, die größere Teile von Berlin und Potsdam abdecken. Sicher ist lediglich, dass auf den neuen Frequenzen Alex – Offener Kanal Berlin und das MABB-Ausbildungsradio Platz finden werden. Die restliche Sendezeit wird „nichtkommerziellen Programmschienen“ sowie der „Erprobung neuer Formate“ vorbehalten bleiben. Welche das sein werden, wird wohl erst bei der nächsten Sitzung des Medienrates am 13. April entschieden werden. Neun Gruppen haben sich für diesen Bereich beworben; als aussichtsreichste Kandidaten gelten Klubradio und Radiopiloten, die bereits im vergangenen Jahr drei Monate lang das Herbstradio gestaltet haben, sowie das Internetradio Multicult 2.0, das aus der abgeschalteten RBB-Frequenz Radio Multikulti hervorgegangen ist.

„Berlin braucht ein unabhängiges und offenes Radio, welches die kulturelle Vielfalt der Stadt angemessen widerspiegelt“, fordern Klubradio und Radiopiloten auf ihrer Homepage. Sie haben bereits seit Jahren gemeinsam sogenannte temporäre Veranstaltungsradios betrieben. In der Ausschreibung sehen sie die Chance, ein freies Kulturradio in Berlin auch dauerhaft durchzuführen. Das Projekt Herbstradio hat drei Monate lang täglich 16 Stunden gesendet; 300 Einzelpersonen und Gruppen haben daran mitgewirkt. Bei den ausgeschriebenen Frequenzen hofft Radiopilot Paul Motikat auf eine Sendezeit von täglich zehn bis zwölf Stunden. Doch auch ein nichtkommerzielles Radio kostet Geld. Um die Gebühren für Urheberrechte und Standleitung zahlen zu können, haben die Herbstradio-Macher eine für Berlin einzigartige Spendenkampagne ins Leben gerufen: „Wenn 5000 Leute zusammenlegen, bekommt Radio 100 einen gebührenden Nachfolger“, heißt es optimistisch im Aufruf. Bis jetzt (7. April) waren das immerhin 9166 Euro.

Als einziger ernsthafter Mitbewerber gilt das Internetradio Multicult 2.0. Seit der Abschaltung von Radio Multikulti Ende 2008 haben sich die Sendemacher aufs Internet verlegt, hoffen aber dennoch, bald wieder auf einer UKW-Frequenz senden zu können. Besonders wichtig seien das Morgenmagazin sowie die Sendungen mit Weltmusik-Djs und Muttersprachlern in den Abendstunden, sagt Brigitta Gabrin, die Sendeverantwortliche von Multicult 2.0. So bewirbt sich auch ihr Sender für zehn Stunden täglich.

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hält sich allerdings bedeckt. Justiziarin Ingeborg Zahrnt bestätigte lediglich die Zahl von neun Bewerbern, wollte aber außer Herbstradio und Multicult 2.0 keine Namen nennen. Nur so viel: Alex - Offener Kanal Berlin werde sicher nicht 24 Stunden senden, es habe eine lange Diskussion über nichtkommerzielles Radio gegeben.

So könnten die Frequenzen 88,4 und 90,7 in Zukunft zu einem wahrhaft multikulturellen Patchwork-Kanal werden. Offen ist allerdings, welchen Status Bewerber wie Herbstradio oder Multicult 2.0 auf den neuen Frequenzen hätten. Momentan scheint die MABB einen verantwortlichen Gesamtsender zu bevorzugen, bei dem diese Gruppen lediglich als Programmmacher auftreten. Paul Motikat fordert jedoch für Herbstradio eine eigene Sendelizenz: „Ansonsten können wir gleich zu Alex gehen.“ Ohne die geforderte Unabhängigkeit bliebe freien Radiogruppen in Berlin nichts weiter, als weiterhin temporäre Veranstaltungsradios zu machen. Noch ist also unklar, ob die beteiligten Gruppen das Angebot überhaupt annehmen. Darius Ossami

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