Hörfunk : Privatradios unter Druck

Web, Feeds, iPhone - mehr Dienste bei kleinem Budget. Werbung findet zu häufig ins Programm, finder die Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

„Die Zukunft des Radios ist ungewisser denn je.“ So beendete Lothar Wichert die Präsentation seiner Hörfunk-Studie, in der er wie jedes Jahr das Programm der privaten regionalen Sender im Auftrag der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) untersucht hat. Die Geschäftsführer der Berliner Sender, die die Aufsichtsbehörde zum rituellen Levitenlesen in den Preußischen Landtag eingeladen hatte, teilten Wicherts Blick nicht uneingeschränkt. „Ich erlebe keine Verschärfung“, sagte etwa Matthias Gülzow, Geschäftsführer von Radio Paradiso. Dennoch wurde in der Diskussion deutlich, dass die kommerziellen Stationen in Zeiten sinkender Werbeeinnahmen unter Druck geraten.

Mit den geringeren Mitteln müssen die Privaten neben ihrem Programm immer neue Dienste finanzieren, die von den Nutzern erwartet werden, und zwar kostenlos. Umfangreiche Webseiten mit Möglichkeiten zum Download gehören ebenso dazu wie Anwendungen für das iPhone. Nach Ansicht von Wichert schlägt sich das auch im Programm nieder: Teure Wortbeiträge würden weniger. Nur noch weniger Sender, darunter Antenne Brandenburg und Radio Teddy, will der Autor als Vollprogramme mit einem ausreichenden Informationsangebot gelten lassen. Auch finde Werbung immer häufiger den Weg in das reguläre Programm. „Die Trennung wird verhudert und verschludert“, sagte Wichert. Der stellvertretende Vorsitzende des Medienrates, Hansjürgen Rosenbauer, mahnte, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, und drohte indirekt mit Lizenzentzug.

Einige Geschäftsführer von Berliner Privatstationen gestanden zu, dass der Druck der Werbewirtschaft auf die Privatsender zunehme. Werbeideen aus der Netzwelt würden im Radio wiederum Ideen kreieren, wie kommerzielle Botschaften außerhalb der Werbeblöcke platziert werden können. as

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