Medien : Hörfunkchefin des RBB verabschiedet

Grace Pönitz

Es endete dort, wo es einmal begonnen und schon einmal geendet hatte. Beim DDR-Auslandsfunk Radio Berlin International in der Nalepastraße hat Hannelore Steer ihre Laufbahn gestartet. Dort schaltete sie auch das Licht aus, als am Tag vor der deutschen Einheit der Sendebetrieb eingestellt wurde. Und an jenen Ort luden die Wellenchefs die 65-Jährige RBB-Hörfunkchefin auch zu ihrem Abschied ein. Zufrieden scheidet sie aus, weil sie ihr Feld bestellt hat. „Alle Programme sind in der Verfassung, kritisch mit sich selbst umzugehen“, resümiert sie.

Bei ihrem ersten Antritt als Hörfunkdirektorin, 1996 beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), war sie eine der wenigen Frauen in führenden ARD-Positionen. Schon damals wollte sie, dass die öffentlich-rechtlichen Angebote im umkämpften Berlin-Brandenburger Radiomarkt vorn mitspielen. Die Zahlen geben ihr recht: Hatten die teilweise schon fusionierten Wellen von ORB und Sender Freies Berlin (SFB) im Jahr 2000 eine Tagesreichweite von 26,4 Prozent, so waren es im März 34,5 Prozent. Leidenschaftlich kämpfte sie für „ihre“ sieben Wellen, die bei Sparvorhaben zur Diskussion standen.

Für Steer war die Wende nicht gleichbedeutend mit Bananenvorrat oder Reisefreiheit. Es war vor allem die Freiheit des Geistes, sagt sie. Auch ein Grund, immer neue Herausforderungen anzunehmen. Egal, ob es sich um die ORB-Sendeleitung, ab 1992 die Chefredaktion von Antenne Brandenburg oder später um die Hörfunkdirektionen von ORB und RBB handelte. Dass sie aus dem Osten war, sei ihr nie vorgehalten worden. Stattdessen vermuteten nach der RBB-Gründung 2003 ehemalige SFB-Hörfunker in der Afrikanistin und Kulturwissenschaftlerin das Landei. Die Eisenhüttenstädterin kannte wenige Kollegen in der Masurenallee. So schlug ihr bei der Reform der Kulturwelle „Kühlschrankkälte“ entgegen. Heute empfindet sie das Kulturradio als einen ihrer größten Erfolge. Sie hätte gern noch etwas weiter gemacht, aber jetzt freut sich Hannelore Steer auf ihre Enkel und eine Israel-Reise. Grace Pönitz

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