Medien : Hoffentlich passiert etwas

Das Studio zum TV-Duell Schröder vs. Merkel ist fertig, die vier Moderatoren feilen an letzten Fragen

Joachim Huber

Die Sekundanten haben sich von der ordnungsgemäßen Installation des TV-Duell-Studios überzeugt. Regierungssprecher Bela Anda für Kanzler Gerhard Schröder und CDU-Mann Willi Hausmann für die Unions-Herausforderin Angela Merkel haben am Freitag das Studio D in Berlin-Adlershof inspiziert. „Die beiden Kandidaten werden am Sonntag gegen 18 Uhr erwartet, jeder hat das Recht, bis zu zehn Berater mitzubringen“, sagte ARD-Produktionsleiter Werner Melzer beim Pressetermin. Die Sendermanager unterstrichen,wie entspannt sich die Beteiligten über das Duell und seine Ausgestaltung verständigt hätten. „2002, das waren richtige Staatsverhandlungen“, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Das TV-Duell wird das erste Aufeinandertreffen von Schröder und Merkel im laufenden Wahlkampf „und auch das einzige Duell sein“, betonte Brender. Er wollte klarstellen, dass die ARD-Runde mit den Spitzenkandidaten der Parteien am 12. September eben eine andere Veranstaltung sein wird als das Duell am morgigen Sonntag – auch weil es aus Brenders Sicht nicht so schön ist, dass die Parteienrunde mit Teilnahme von Merkel und Schröder im Ersten und nicht im Zweiten ausgestrahlt wird.

Bei solchen Nickeligkeiten wird es wohl bleiben. Die vier Sender, die das TV-Duell morgen ab 20 Uhr 30 live übertragen – ARD, ZDF, RTL und Sat1 – geben sich deutlich entspannter als bei der Deutschland-Premiere der Duelle 2002. Die nicht genannte Gesamtfinanzierung, allein die Leitungskosten betragen 16 000 Euro, wird auf alle vier Anstalten zu je 25 Prozent umgelegt.

Was eine Premiere ist, ist die Zusammenarbeit zweier öffentlich-rechtlicher und zweier privater Sender. Im Geiste von Kooperation und Fairness wurden zwei Paare gebildet: Sabine Christiansen (ARD) bildet ein Team mit Thomas Kausch (Sat1), Maybrit Illner (ZDF) gemeinsam mit Peter Kloeppel (RTL) das zweite. Christiansen wird die erste Frage des Abends an Kanzler Schröder richten, der vom Zuschauer aus gesehen rechts stehen wird, während Merkel am linken Stehpult platziert ist. Aus dem Team Illner/Kloeppel kommt die Schlussfrage.

Die Paarbildung soll auch „ein Duell unter den Moderatoren“ verhindern, wie alle Moderatoren betonten. Illner: „Eigentlich können wir uns alle ganz gut leiden.“ Was heißt, alle wollen zum Gelingen beitragen, aus den „Dreamteams“ sollen jedoch keine Liebespaare werden. Die acht bis neun Themenblöcke für das Frage-und-Antwort-Spiel werden heute oder spätestens am Sonntag aufgeteilt; sie sind den beiden Politikern nicht bekannt. „Die späte Absprache unter den Journalisten“, sagte Maybrit Illner, „das Feintuning bei den Fragen, dient auch dazu, die letzten aktuellen Entwicklungen in unsere Fragen aufzunehmen.“ Peter Kloeppel gestand zu, das 2+4-Konzept sei eine schwierige Konstellation, für die Journalisten vielleicht sogar schwieriger als für die beiden Kontrahenten. Nach seiner Aussage will die Journalistenrunde aktiv daran mitarbeiten, dass „die beiden Politiker nicht nur die üblichen Statements abliefern“. Die „Deregulierung“ dieses Duells gegenüber den beiden Treffen Schröder/Edmund Stoiber (CSU) soll sich im direkten Gespräch zwischen Kanzler und Herausfordererin abbilden.

Die Redezeiten des Kanzlers und der Kandidatin sollen möglichst ausgeglichen sein, die Antworten 60 bis 90 Sekunden nicht überschreiten. Die so genannten Redezeitkonten werden für die Zuschauer alle 15 Minuten in die Sendung eingeblendet und alle 30 Minuten von den Moderatoren direkt angesprochen. Sie werden darauf achten, dass die Politiker am Ende der 90 Minuten in der Redezeit nicht mehr als eine Minute auseinander liegen. Uneins sind sich die Moderatoren, ob das Duell Auswirkungen auf den Wahlausgang haben wird. „Ein guter Auftritt könnte die Gewichte verschieben“, meinte Kloeppel, Illner hielt dagegen: „Am Ende ist es nur Fernsehen.“

Die Themen der Diskussion liegen auf der Hand, natürlich sind Arbeit, Rente, Gesundheit, Wirtschaft dabei, wobei, wie ZDF-Chefredakteur Brender anfügte, manche Themen ausführlicher behandelt würden als „zum Beispiel Bildung“. Zu Beginn eines Themenkomplexes wird die gleiche Frage an Schröder und Merkel gestellt, danach haben die Moderatorenpaare die Möglichkeit nachzufragen.

Das komplett neu gebaute Duell-Studio 2005 unterscheidet sich vom Studio 2002 nicht in der Grundfläche, sehr wohl aber in der Gestaltung: Boden in entsättigtem Weinrot, das Design heller, freundlicher und eine Spur intimer, weil ein zweites Pult für die sitzenden Moderatoren dazugekommen ist. Regisseur Volker Weicker, auch er war schon 2002 dabei, fühlte sich von der 90-Minuten-Länge an ein Länderspiel erinnert, „nur sind beim Duell sehr viel mehr Schiedsrichter auf dem Platz als beim Fußball“. Der Regisseur will die Übertragung optisch schlicht halten, „die Inhalte, die Diskussion sollen glänzen“. Für die Regie und die zehn Kameramänner gilt nur ein Gebot: Keiner der beiden Kandidaten darf von hinten aufgenommen werden.

Maximale Erreichbarkeit der Wähler ist am Sonntag jedenfalls gesichert. Da ARD, ZDF, Sat1 und RTL zeitgleich übertragen, sind die Ausweichmöglichkeiten für Politikmuffel begrenzt. Und auch Urlaub ist keine Ausrede mehr: Die Deutsche Welle überträgt das Gepräch weltweit im Radio live und später im Fernsehen – nach Peking, Riad oder Buenos Aires. Selbst für Hörbehinderte und Gehörlose gibt es eine Lösung: Sie können das Duell beim Fernsehsender Phoenix mittels Gebärdendolmetscher verfolgen; dort wird es zeitversetzt ab 22 Uhr 30 ausgestrahlt.

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