Medien : „Hüter der Publikationen“ Montgomery über Zeitungen und Berliner Pläne

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Schmächtig wirkt David Montgomery, fast hager. Am Dienstagmorgen, während der hektischen Telefonkonferenz, klang seine Stimme ein wenig schrill. Am Nachmittag hat er zwei Räume in einem Hotel reserviert, um Interviews zu geben. Im persönlichen Gespräch redet der 56Jährige leise, geradezu sanft. Sein Auftreten widerspricht dem Bild, das die britische Presse von ihm zeichnet. Er wirkt sachlich und so, als sei er nicht leicht zu überzeugen. Optimismus versprüht er, wenn er über das seiner Ansicht nach künftig boomende Berlin spricht. „Das ist eine Entwicklung, die nicht heute, auch nicht morgen passieren wird, aber sie wird passieren.“ Nach seiner Erfahrung hätten „ausländische Investoren oft mehr Vertrauen in Deutschland als die Deutschen selbst.“

Zeitungen nennt er „Persönlichkeiten“. Das Faszinierende an ihnen sei, wenn es die Journalisten mit ihrem Talent jeden Tag und bei jedem Artikel aufs Neue schaffen würden, dass der Leser Dinge liest, von denen er anfangs dachte, sie würden ihn nicht interessieren. Er lese alles, was es in London zu kaufen gebe. Persönlich favorisiere er die „Times“ und den „Guardian“.

Am Mittag hatte er sich gestern erstmals der Belegschaft des Berliner Verlags vorgestellt. Er sei „nicht unfreundlich, voller Neugier, aber auch mit Unsicherheit empfangen“ worden. In der Antrittsrede zog er seine Heimat Nordirland zum Vergleich heran. Wie dort werde in Berlin ein Erneuerungsprozess stattfinden. An ihm wolle er als Eigentümer des Berliner Verlags teilhaben, „und zwar so lange wie nur möglich“, sagt er später dem Tagesspiegel.

Zwei Ziele formuliert Montgomery. Zum einen wolle er mit dem lokalen Management die „Berliner Zeitung“ als anspruchsvolle Publikation weiterentwickeln, zu einer Zeitung, vergleichbar mit dem „Guardian“ oder dem „Independent“. Sicherlich, sagt er, werde dazu auch ein verbesserter Inhalt beitragen. Am Charakter der „Berliner Zeitung“ und des „Berliner Kurier“ solle sich nichts ändern. Investitionen kündigt er für die Redaktion und den Anzeigenverkauf an. Auch werde die Druckerei neue Beilagensteckmaschinen bekommen. Verkauft werde nichts, versichert Montgomery.

Das zweite Ziel sei, den Berliner Verlag als Ausgangsbasis für weitere Akquisitionen in Deutschland zu nutzen. Dies bedeute für die Mitarbeiter „neue berufliche Chancen und mehr Sicherheit“.

Montgomery erreichten die Berichte in den deutschen Zeitungen der vergangenen Tage nur gefiltert. Er spricht kein Deutsch. Aber er wisse ja aus den britischen Blättern, was über ihn zu lesen sei, sagt er mit ungerührter Miene. Sie unterstreicht den folgenden Satz: Es kümmere ihn nicht, was da über ihn und seine Aktivitäten als Zeitungsmanager geschrieben werde. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er schon andere Kämpfe überstanden hat. In Belfast, wo sich der Protestant auf seine Weise am Friedensprozess beteiligte, aber auch im Zeitungsgeschäft, beim Preiskampf gegen Rupert Murdochs „Sun“ und als Investor bei nordirischen Blättern, deren Anteile er in diesem Jahr mit Gewinn verkauft habe. Seinem Ruf als knallhartem Sanierer, von dem zu befürchten sei, er wolle den Verlag kaputtsparen, versuchte er bei den Beschäftigten des Berliner Verlags dennoch entgegenzutreten. Er sagte, er hoffe, dass die Investorengruppe und er persönlich die Chance bekommen zu zeigen, „dass wir Ihre natürlichen Verbündeten sind“. In der Vergangenheit habe er zwischen Situationen unterscheiden müssen, „bei denen eine Neustrukturierung von Organisationen gefordert war, und solchen, die nach einer Wachstumsstrategie verlangten. Hier und heute geht es um Letzteres.“usi

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