Medien : Hungrig nach Fernsehen

Der Fastenmonat Ramadan garantiert Rekorde bei Quoten und Werbeeinnahmen

Andrea Nüsse[Kairo]

Der Fastenmonat Ramadan dient der Einkehr und der Besinnung auf die eigene Spiritualität. Doch die Moderne macht auch hier ihren Einfluss geltend. Und so ist der Ramadan in Ägypten und in der arabischen Welt auch der Fernsehmonat par excellence geworden. Seit Wochen berichten die Zeitungen ausführlich über die Serien, die im Ramadan zu sehen sein werden. Laufen tagsüber viele Kochsendungen und religiöse Programme, so wird vor allem das Abendprogramm mit Spannung erwartet: Serien mit berühmten Schauspielern, Soap Operas, historische Dramen und Ratespiele, alle eigens für den Fastenmonat produziert, ziehen die Großfamilien in ihren Bann. Wird der Fernseher spätestens gegen 18 Uhr 30 angestellt, um das Signal zum Fastenbrechen nicht zu verpassen, so wird danach bis spät in die Nacht von einer Lieblingsserie zur anderen gezappt. Einen Monat Prime Time für Produzenten und Werber.

„Die Produktion von Fernsehserien in diesem Jahr ist enorm“, sagt al Morsi Sarhan, kommerzieller Leiter der Produktionsabteilung des staatlichen ägyptischen Fernsehens. Bis zum Ramadanbeginn am 25. September hätte man in den Studios rund um die Uhr gearbeitet, um die Filme fertigzustellen. Eine Episode wird für 10 000 bis 15 000 Dollar in die Golfländer verkauft, die kaum über eigene Fernsehproduktionen verfügen. Nach Angaben der ägyptischen Zeitung „Al Ahram hebdo“ beläuft sich das Budget für die ägyptischen Ramadan-Serien in diesem Jahr auf 133,4 Millionen ägyptische Pfund (20 Millionen Euro). Anteilsmäßig geht davon Jahr für Jahr mehr an die Gagen der Schauspieler, in diesem Jahr 42 Millionen Pfund. So sollen einige Stars bis zu zehn Millionen Pfund (1,4 Millionen Euro) für eine Ramadan-Serie verdienen. In diesem Jahr haben zahlreiche berühmte Schauspielerinnen, die vor Jahren den Bildschirm verlassen und sich dem Islam zugewendet haben, ein Comeback – diesmal mit Schleier: So ist die berühmte Sohair al Bably erstmals seit zehn Jahren wieder zu sehen, in einem Drama, in dem ihre beiden Söhne sich über das Erbe streiten. Der Superstar der 70er, Sohair Ramsy, spielt eine Ärztin, die in ihrem Krankenhaus mit Korruption zu kämpfen hat.

Das Ramadanbusiness lockt verstärkt Privatsender und private Produktionsfirmen, spezielle Serien produzieren. Die Werbeeinnahmen machen dies zu einer lohnenden Investition. 92 Prozent der ägyptischen Haushalte haben einen Fernseher und viele Familien verbringen die Ramadanabende vor dem Schirm. So belaufen sich die Werbeeinnahmen für eine Ramadan-Serie auf bis zu 15 Millionen Pfund. Doch die staatlichen ägyptischen Fernsehsender wollen mehr vom Kuchen bekommen. So wurde teilweise eine Höchstsumme von zwei Millionen Pfund festgesetzt, welche die Produktionsfirma der Serie von den Werbeeinnahmen bekommt. „Im vergangenen Jahr sind dem ägyptischen staatlichen Fernsehen mehr als 40 Millionen Pfund aus Werbeinnahmen verloren gegangen, weil sie an die Produzenten der Serie gingen“, klagt Mohammed al Barbari, Chef der Marketingabteilung des Staatsfernsehens. Einige Serien werden daher in Ägypten nicht zu sehen sein, sondern nur am Golf, wo das Geld lockerer sitzt.

War Ägypten traditionell führend bei der Produktion von Ramadan-Serien, so wächst die Konkurrenz insbesondere in Syrien. Nach Angaben von Agenturen hat Ägypten in diesem Jahr 50 Fernsehserien produziert und Syrien 45.

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