Medien : „Ich bin der rote Faden“

Seit 25 Jahren spielt Claus Theo Gärtner den Detektiv Josef Matula in der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“

Thilo Wydra

Alles begann 1980 in München. Da saßen der Produzent Georg Althammer von der Produktionsfirma Odeon TV und Schauspieler Claus Theo Gärtner zusammen bei einem Bier im „Franziskaner“. Althammer bearbeitete Gärtner, versuchte ihn zu überzeugen, eine der beiden Hauptrollen der neuen ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“ an der Seite von Günter Strack zu übernehmen. Irgendwann sagte Gärtner ja, und eher aus Jux schrieb er auf einen Bierdeckel „100 Folgen okay – CTG“. Aus dem Scherz wurde Ernst, aus hundert Folgen wurden – bislang – 243 Folgen, die Krimiserie wird in über 40 Länder weltweit verkauft. Den allerersten Fall für zwei zeigte das ZDF vor 25 Jahren, am 11. September 1981 mit dem Titel „Die große Schwester“.

„Wenn mir damals, als wir 1981 angefangen haben, einer erzählt hätte, ,das wirst Du 25 Jahre lang machen’ – dann wäre ich wohl in Panik in die Wüste geflohen.“ Sagt Claus Theo Gärtner, er spielt den Frankfurter Privatdetektiv Josef Matula. Matula ist eine feste ZDF-Marke geworden, eine Figur, die auch ein Vierteljahrhundert bundesrepublikanische Geschichte verkörpert und selbst Fernseh-Geschichte ist.

In den Folgen von „Ein Fall für zwei“, die durchschnittlich von etwa sechs Millionen Zuschauern gesehen werden, spiegelt sich durchaus auch der Zeitgeist dreier Jahrzehnte wider, die Moden, die kamen und gingen, der technische Fortschritt, der mit E-Mail und Handy Einzug hielt und heute nicht mehr wegzudenken ist, aber auch das menschliche Miteinander, das sich verändert hat, kühler geworden ist. Da erscheint dieser Josef Matula beinahe schon wie eine menschliche Konstante, auf die sich der Zuschauer verlassen kann. Matula, das ist vielleicht auch ein moralischer Auftritt, wie ihn einst Horst Tappert als Oberinspektor „Derrick“ gepflegt hat. Gärtner jedenfalls erhielt neben dem Titel eines Ehrenkommissars der bayerischen Polizei 2001 den Hessischen Filmpreis 2004 und dieses Jahr das Bundesverdienstkreuz am Bande.

25 Jahre Matula, da stellt sich auch die Frage, ob sich Identitäten nicht gegenseitig verzahnen? „Der Matula hat natürlich eine ganze Menge vom Claus Theo Gärtner. Aber der Claus Theo Gärtner hat weiß Gott nichts vom Matula. Das ist ja eine Figur, die ich quasi kreiert habe. Am Anfang war da nichts weiter als ein weißes Blatt Papier.“ Er sei zwar inzwischen als Matula festgelegt, sagt er, doch das störe ihn nicht weiter. „Das Ganze hier ist ein Tanker und der ist mit mir in Fahrt. Und ich spiele ja nicht nur, ich führe auch Regie, arbeite an den Büchern mit. Ich bin der, der am längsten in der Firma ist, sozusagen der rote Faden. Unser Produzent nennt mich den ,Leitwolf’.“

Anfangs, da waren es sechs Folgen pro Jahr, dann acht, schließlich zehn. Damals, als er noch ausschließlich in seiner Geburtsstadt Berlin lebte und parallel Theater spielte, bedeutete das, morgens um sechs Uhr ins Flugzeug nach Frankfurt am Main zu steigen, dorthin, wo die Erfolgsserie spielt. Gedreht wird zu großen Teilen neben Frankfurt in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, dem Sitz der Odeon TV.

Irgendwann hatte Gärtner das tägliche Pendeln satt. Er behielt zwar die Berliner Wohnung in Charlottenburg bei, zog jedoch nach Wiesbaden, wo er heute an einem der grünen Berghänge mit ihren Gründerzeit-Villen wohnt. Heute will er „das Stück Lebensqualität, das ich mir über die Jahre ergattert habe“, nicht mehr missen. Nach Drehschluss zu Hause zu sein und nicht im Hotel, das sei einfach einer der Vorteile einer festen Serienhauptrolle vor Ort. Bodenständiger ist er geworden, der früher so Umtriebige, der nach seiner langjährigen Ehe zuletzt wegen seiner ungleich jüngeren Lebensgefährtin in der Presse stand.

Gewiss, Claus Theo Gärtner, Jahrgang 1943, wird älter, und Matula mit ihm, aber irgendwie fällt das gar nicht weiter auf. Nur, dass er statt der Sportwagen-Rennen auf dem Nürburgring – „eine gute Konzentrationsübung“ – inzwischen Oldtimer-Rennen fährt. In der Figur des Matula hat er sich den jugendlichen Charme bewahrt. Nur, dass sich die Paradigmen hier umgedreht haben: Im Duo mit dem 1959 in Darmstadt geborenen Partner Paul Frielinghaus hat sich das Verhältnis Matula-Anwalt merklich gewandelt. Der Detektiv wurde zum väterlichen Freund des Anwalts. Das hat sich mit dem vierten Anwalts-Wechsel zum Jahreswechsel 2000/2001 eingestellt, denn hier nun war und ist der gern etwas ironisch daherkommende, salopp und antiautoritär auftretende Matula der Ältere. Der „aktuelle“ Anwalt, Dr. Markus Lessing, trat erstmals in der 184. Folge im Dezember 2000 auf. Seitdem haben Gärtner und Frielinghaus 60 Fälle gemeinsam gelöst. Dem nicht selten knapp überm Existenzminimum lebenden Dauer-Single Matula standen zuvor Dr. Renz alias Günter Strack (60 Folgen, 1981-1987), Rainer Hunold in der Rolle des Dr. Frank (90 Folgen, 1988- 1997), sowie Dr. Voss als Mathias Hermann (33 Folgen, 1997-2000) zur Seite.

Nur Anwaltssekretärin Helga, von Anfang an gespielt von Renate Kohn, war durchgehend die Dritte im „Fall für zwei“. „Wie lange die Serie noch laufen wird, weiß ich nicht. Lust habe ich jedenfalls immer noch.“ Sagt Claus Theo Gärtner und lacht sein raues Lachen, als wär’s von Josef Matula.

„Ein Fall für zwei: Blutige Liebesgrüße“, ZDF, 20 Uhr 15; „Die lange ,Ein Fall für zwei’-Nacht“; ZDF, 0 Uhr

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