Medien : Ich bin eine Bombe

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Perfekte Waffe für die einen, Terror pur für die anderen: Selbstmordattentate haben seit den Anschlägen in den USA und der Eskalation im Nahen Osten eine ganz neue Dimension angenommen. Der Arte-Themenabend „Lebende Bomben“ (20 Uhr 45) untersucht Ursprünge und Hintergründe dieser Entwicklung. Was treibt junge Männer dazu, sich selbst in den Tod zu schicken? Wer macht sie zu Opfer-Tätern? Die Autoren Serge Gordey und Ilan Ziv reisten in den Nahen Osten, durchkämmten Archive, trieben Zeugen, Angehörige, die militärischen und geistlichen Köpfe dieser Kriegsstrategie auf. In ihrem Film „Lebende Bomben“ tut sich ein grausiges Panorama auf, das von den Kamikazefliegern Japans im Zweiten Weltkrieg zu den jugendlichen Freiwilligen im Iran-Irak- Krieg reicht, von den tamilischen „Black Tigers“ bis zu den Hamas-Attentätern mit den selbstgebastelten Bomben am Leib.

Die Bilder zerrissener Körper, schreiender Münder, zerstörter Häuser durchziehen den Dokumentarfilm. Schwer erträgliche Bilder an der Grenze des Zeigbaren, allesamt bereits gesendete Bilder, die notwendig sind, um das Ausmaß des Grauens zu umschreiben. Dazu kommen die Bilder der fanatisch leuchtenden Augen, der propagandistischen Aufmärsche, der Märtyrerfriedhöfe, die Abschiedsvideos der menschlichen Bomben. Ein US-Psychologe kommt zu dem Schluss, dass die Macht der Gruppe stärker sei als der Lebenstrieb, das Ganze ein „Organisationsphänomen“ sei, zielbewusst von den Mächtigen in Szene gesetzt. Mechthild Zschau

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