Medien : "Ich bin Ernst Busch": Ein Porträtfilm im B 1-Programm

Jochen Meissner

Am Anfang fährt die Kamera in einer Nahaufnahme über den Pergamonaltar. Immer nach links, immer rückwärts in die Geschichte. Man erkennt Details: Köpfe, Gliedmaßen, zerstörte Fragmente. Das Ganze gerät nie in den Blick. Man ahnt es schon, ein rundes Porträt des "roten Orpheus" Ernst Busch wird man nicht bekommen. Die Kamerafahrt wird den ganzen Film über andauern und als Projektionsleinwand für Fotos, Manuskripte, Schellackplatten und vereinzelte Filmschnipsel dienen. Statischer kann man einen Film über das bewegte Leben von Ernst Busch kaum machen. Geboren im Jahr 1900, engagierte Busch sich früh in der kommunistischen Bewegung, floh vor den Nazis nach Moskau, um sich dann den internationalen Brigaden in Spanien anzuschließen. Nach Ende des Bürgerkriegs in Frankreich interniert, wurde er an Nazideutschland ausgeliefert und entging nur knapp und mit Hilfe von Gustaf Gründgens dem Tode. Nach dem Krieg geht es wieder aufwärts - bis zum 17. Juni 1953, als er im Radio Propaganda für den Kommunismus machen will und abgewiesen wird. Zum Volksaufstand spielt der DDR-Rundfunk lieber Donauwalzer. Von 1953 bis 1963 werden seine Lieder aus dem Radio verbannt, seine Platten verschwinden aus den Läden und die kleingeistigen Apparatschiks wollen ihn nicht mehr in der Partei. Erst nach zehn Jahren Schweigen kann er sein Lebenswerk auf Schallplatten pressen. Natürlich wird er von denselben Leuten rehabilitiert, die ihn vorher aus der Partei geekelt hatten. Am 8. Juni 1980 stirbt Ernst Busch.

In Peter Voigts Dokumentarfilm "Ich bin Ernst Busch" (22 Uhr 45, B 1) zum 20. Todestag soll es weniger um biographische Details gehen, sondern um die zentralen Konflikte zwischen Politik und Kultur, die Buschs Leben bestimmen. Beides muss sich der Zuschauer aus den Materialtrümmern zusammenklauben, die Voigt vor dem Pergamonaltar aufschichtet.

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