Medien : „Ich bin ich“

Andrea Fischer moderiert heute erstmals den „Grünen Salon“

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Frau Fischer, mögen Sie Stammtische?

Wie bitte?

Das Konzept des „Grünen Salons“ ist doch eine Art Stammtisch auf höherem Niveau.

Ich würde sagen, wir versuchen, ernsthaft und unterhaltsam zugleich mit dem Gast über ernste Themen zu reden.

Klingt mühsam. Wie wollen Sie das machen?

Eine Person wird eine Dreiviertelstunde alleine von uns befragt. Das Gespräch kann gar nicht oberflächlich sein. Gleichzeitig muss man respektieren, dass das Publikum unterhalten werden will. Schulfunk will keiner.

Das Konzept: ein Wessi und ein Ossi laden ein – finden Sie das zeitgemäß?

Nein, deshalb bin ich nicht ausgewählt worden. Ich bestreite zwar nicht, dass es noch heute Ost- und Westperspektiven gibt, aber diese Art zu denken muss langsam aufhören.

Ihr Co-Moderator heute ist zwar „Bild-am- Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz, sonst aber Heinz Eggert, der schon mit Erich Böhme moderiert hat. Kommen Sie und Eggert gut miteinander aus?

Wir kennen uns noch nicht sehr lange. Genauer, erst seit der Pilotsendung, aber ich freue mich sehr darauf, mit ihm zu arbeiten. Wir haben genügend Spannungen, was unseren Stil und unsere Positionen anbelangt. Das wird eine interessante Kombination.

Das war eine schöne Politikerantwort. Wie unterhaltsam sind Sie denn?

Ich verstehe etwas von Politik und kenne mich in vielen Fachfragen aus. Hinzu kommt, ich stelle Dinge gern klar – ohne herumzugründeln. Und ich habe Humor.

Sind Sie spontan?

Ich bin am besten, wenn ich spontan bin. Sie können doch eine langjährige Parlamentarierin nicht fragen, ob sie mit Zurufen umgehen kann. Unsere Probesendung haben wir ohne Publikum gemacht, das war nicht gut. Dieses Format braucht einfach Publikum. Davor fürchte ich mich gar nicht.

Sind Sie streitlustig?

Ja. Ich streite mich gern – in der Sache natürlich. Und ich freue mich darauf, Floskeln nicht durchgehen zu lassen.

Können Sie gut zuhören?

Ja. Mir ist klar, dass ich meine Rolle wechsle.

Das heißt, Sie sind ab heute Journalistin.

Nein, so weit würde ich nicht gehen. Ich bin in einer journalistischen Rolle.

Sie kennen die Sprache der Politiker genau. Sie merken, sobald gelogen wird. Wie wollen Sie Ihre ehemaligen Kollegen knacken?

Das kann ich noch nicht genau sagen. Man muss aber nicht Politiker gewesen sein, um zu erkennen, wann jemand Null-Sätze spricht. Das ist übrigens eine Sache, die ich an Herrn Eggert sehr schätze. Er hat eine Art frech zu fragen, mit der er verblüfft. Ich werde das sicher anders machen. Vielleicht mit scheinbarer Naivität. Ich weiß es noch nicht genau. Aber man muss auch irgendwann erkennen: Da sitzt ein Profi, der nichts sagen will. Da nützt es auch nichts, fünfmal die gleiche Frage zu stellen.

Wer macht die Gästeliste?

Eggert und ich zusammen mit der Redaktion. Der Schwerpunkt ist Politik. Die Frage heißt also immer: Wer würde uns jetzt was Interessantes zu einer aktuellen Situation erzählen?

Und wer ist der Erste, der Ihnen etwas Interessantes erzählt?

Das wird Friedrich Merz sein.

Hieß es nicht, Sie wollten zum Auftakt Sieger einladen?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt jemanden von der Regierung einzuladen, ist öde. Die sagen ohnehin nichts. Es sind Koalitionsverhandlungen.

Wenn Sie Gäste von den Grünen haben, sind Sie dann nicht befangen?

Daran muss ich arbeiten. Ich darf auch nicht überkritisch mit ihnen umgehen. Ich habe inzwischen eine ganze Menge Abstand gewonnen. Es sind Gäste wie alle anderen auch.

Wie haben Sie sich auf Ihren neuen Job vorbereitet? Mit einem Medienberater?

No Comment.

Sagen Sie uns wenigstens, was Sie anders machen werden als Böhme?

Ich reibe mich nicht an dem von mir außerordentlich geschätzten Herrn Böhme. Ich bin ich. Und fühle mich geehrt, dass ich diese Nachfolge antreten darf.

Das Gespräch führte Carla Woter.

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