Medien : „Ich dachte, wie absurd das alles ist“

Am Montag um zehn Uhr trat Sonja Streit ihren neuen Arbeitsplatz bei „Marie Claire“ an. Zwei Stunden später wurde das Blatt eingestellt

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SONJA STREIT, 29,

studierte Fotodesignerin, arbeitete nach ihrem Studium bei „Architectural

Digest“ und „GQ“ (beide Condé Nast), bevor sie zu „Marie Claire“ wechselte. Foto: Privat

Sie waren zuletzt Fotoredakteurin beim Männermagazin „GQ“.

Ich arbeitete dort zwei Jahre lang. Mein letzter Arbeitstag war am 31. Juli.

Wann hatten Sie beschlossen, dort wegzugehen und bei „Marie Claire“ die Stelle der Fotochefin anzunehmen?

Den Arbeitsvertrag habe ich im April unterschrieben. Ich hatte Lust, ein Frauenmagazin mit Reportagen und Porträts zu machen. Außerdem war ein Relaunch geplant.

Und am Montag, dem 1. September, war Ihr erster Arbeitstag.

Ich freute mich darauf. Zwei Monate hatte ich frei. Um 10 Uhr trat ich die neue Stelle an.

Wann erfuhren Sie, dass das Blatt eingestellt wird?

Zwei Stunden später.

Wie erfuhren Sie es?

Die Sekretärin lief durch die Räume und sagte, wir sollten alle in den großen Konferenzraum kommen.

Hatten Sie da schon eine Ahnung?

Nein, ich wusste ja nicht, ob das etwas Ungewöhnliches ist, wenn die Redaktion in den großen Konferenzraum gerufen wird. Ich war ja neu. Und dann stand ich blöd vor dem Konferenzraum rum und lernte Angelika Jahr kennen…

… die Herausgeberin von „Marie Claire“ und Vorstandsmitglied von Gruner+Jahr.

Sie schüttelte mir die Hand und stellte sich vor. Ich glaube nicht, dass sie wusste, wer ich bin. Aber ich wusste in dem Moment, dass es sich da jetzt um etwas Offizielles handeln muss. Naja, und dann wurde uns mit betroffener Miene verkündet, dass man eine traurige Mitteilung hätte.

Das Aus für „Marie Claire“. Was ging da in Ihnen vor?

Ich dachte, dass ich jetzt unfreiwillig mein Projekt Freizeit weiterverfolge und das mache, wozu ich in den beiden Monaten nicht gekommen war. Zum Beispiel die Wohnung streichen. Und ich dachte daran, dass ich zwei Angebote abgelehnt hatte, zuletzt im August. Und daran, wie absurd das alles ist.

Hat der „GQ“Chefredakteur Ihnen Ihren alten Job wieder angeboten?

Nein.

Und jetzt? Den Schreibtisch müssen Sie ja nicht ausräumen.

Jetzt wickle ich die Fotoredaktion ab. Keine Ahnung, ob ich in den Genuss der Versuche komme, wonach Mitarbeiter anderswo untergebracht werden sollen. So was geht ja nach Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Das Gespräch führte Ulrike Simon.

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