Medien : „Ich habe ein lebenslanges Abo“

Gerd Schulte-Hillen über seine neuen Aufgaben beim Berliner Verlag

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Vorige Woche hat Veronis Suhler Stevenson Ihnen angeboten, nach dem Erwerb des Berliner Verlags Aufsichtsratsmitglied zu werden. Welches Für und Wider lag Ihrem Entscheidungsprozess zugrunde?

Die Mehrheitseigentümer, Veronis und Suhler, kenne ich seit über zwanzig Jahren. Sie waren lange selbst in der Verlagsbranche, bevor sie sich selbstständig gemacht haben. Das sind hart arbeitende, verlässliche und faire Leute, die wissen, was sie tun. Das Ziel, den Berliner Verlag zukunftsfest zu machen, teile ich und bin gerne dabei. Außerdem mag ich die Zeitung. Also nur Für und kein Wider.

Kannten Sie David Montgomery auch?

Ihn habe ich jetzt erst kennen gelernt. Die Gespräche, die ich mit ihm geführt habe, waren alle professionell und angenehm. Man merkt, dass er in der Zeitungsbranche groß geworden ist. Außerdem ist er jemand, der zuhört.

Jetzt ist zu lesen, Sie seien als Beruhigungspille für die Beschäftigten engagiert worden. Sie wurden gefragt, ob Ihr Posten der eines Frühstücksdirektors sei. Wer Sie kennt, kann sich beides nicht vorstellen. Wie definieren Sie Ihre Rolle?

VSS und Mecom wollen einen Kenner der deutschen Medienszene mit Zeitungserfahrung. Ich soll sie auf dem für sie neuen Terrain beraten und unterstützen, also normale Aufsichtsratsarbeit machen. Wenn sie gleichzeitig glauben, dass mein Name intern, im Markt und auch bei den Lesern das Vertrauen stärkt, so freut mich das. Ich kenne mich in diesem Markt aus und sehe, dass mein Rat willkommen ist.

Wie oft werden Sie in Berlin sein – nur zu den viermal jährlich stattfindenden Aufsichtsratssitzungen?

Nein. Anfangs wird es häufiger sein. Zunächst werden wir uns mit dem Management alle zwei Wochen, dann vielleicht monatlich zusammensetzen. Wenn es läuft, wird es reichen, sich sechsmal im Jahr zu treffen. Das wird sich einspielen.

Sie sind bekannt dafür zu wissen, was in Ihren Blättern steht, weil Sie mit den Chefredakteuren gern Inhalte diskutieren. Wie regelmäßig haben Sie zuletzt die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“ gelesen?

Oh, die „Berliner Zeitung“ jeden Tag. Ich habe zu meinem Ausscheiden bei Bertelsmann ein lebenslanges Abo spendiert bekommen. Darüber habe ich mich damals sehr gefreut. Das Blatt liegt jeden Morgen auf meinem Tisch und wird auch jeden Morgen gelesen. Zukünftig werde ich auch den „Kurier“ abonnieren und lesen. Ich muss doch wissen, was in Berlin los ist.

Montgomery sagt, Sie sollen mit Ihren Kontakten helfen, weitere Zeitungen für Mecom und VSS zu akquirieren. Wie wollen Sie Verleger überzeugen, das Tabu zu brechen, an Finanzinvestoren zu verkaufen?

Wenn die deutschen Verleger sehen, dass das bei der „Berliner Zeitung“ ordentlich gemacht wird, werden sie die Scheu verlieren. Ich kenne ja viele Verleger, und wir sind immer anständig miteinander umgegangen. Vertrauen spielt eine große Rolle. Wie ich da vorgehe,weiß ich noch nicht. Das wird sich ergeben.

Welche Reaktionen haben Sie von Gruner + Jahr und Bertelsmann erhalten?

Die Reaktionen waren professionell und positiv.Ein Vorstandsmitglied von Bertelsmann hat mir spontan gratuliert, und Bernd Kundrun hat sich gefreut, dass ich der „Berliner Zeitung“ helfen will. Er freut sich, wenn die Dinge in Berlin einen guten Weg nehmen.

Ist keiner verstimmt, weil Sie erneut darauf hinweisen, aus Ihrer Sicht sei es falsch gewesen, den Berliner Verlag zu verkaufen?

Es war halt so. G + J sieht das anders und freut sich, damals einen guten Preis erzielt zu haben. Und man kann darüber ja auch streiten. Die „Berliner Zeitung“ steht heute gut da. Das Ziel, zehn Prozent Umsatzrendite und mehr, ist beinahe verwirklicht. Eine Grenze nach oben sollte man sich sowieso nicht setzen.

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