Medien : Ich hasse es

Reinhard Siemes

Seit ewigen Zeiten gehören die Fernsehspots von McDonald’s zu den erfreulichen Belästigungen der deutschen Fernsehzuschauer. Etwa das dicke Kind auf dem Autorücksitz, das im Stau einen Autofahrer mit allerlei Grimassen ärgern will. Der greift lächelnd in eine Packung mit McDonald’s-Fritten – und macht dem Knaben lange Zähne. Selbst die Gottschalk-Filme waren relativ erträglich, weil sie perfekt auf seine fränkische Mentalität hin geschrieben wurden.

Das ist jetzt vorbei. Seit drei Monaten präsentiert McDonald’s in den Spots und Anzeigen junge und weitgehend erfolgreiche Menschen, die ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. Das Ganze endet mit dem Hinweis auf eine bestimmte Hacksemmel und dem Credo: „Ich liebe es.“

Laut Website macht McDonald’s mit dieser neuen Kampagne einen großen Schritt auf seine Gäste zu. (War die Belegschaft bis dato in der Küche?) Der McDonald’s-Esser fragt sich derweil verwundert, was Big Mäc und Cola mit Telefongesprächen im Liegen zu tun haben. Ich kann es ihm erklären: Es geht um den psychologischen Mehrwert der Fritten oder des Hamburger Royal. Kurz: um die gesammelten Emotionen aus der Trickkiste der Werbung. Als da sind Geborgenheit, Freundschaft, Erfolg, Entspannung, Vorfreude, Nachfreude, Lust usw. Die McDonald’s-Werber in München haben offenbar erkannt, dass der von ihnen selbst angezettelte Preiskampf gegen Burger King zwar ihre Kunden dick macht, nicht aber ihre Gewinne. Also ist Schluss mit lustig.

Ich erinnere mich noch an Plakate mit Texten wie „Essen Sie uns arm“ oder „Schnauze voll. Für DM 2,85!“ Die waren zwar ohne psychologischen Zusatznutzen. Dafür entsprachen sie einem menschlichen Urbedürfnis – der Gier. Jetzt soll ich immer etwas Erbauliches tun, um einen herrlich gemeinen Riesenburger zu essen? Das ist mir zu mühsam. Ich hasse es.

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